Disclaimer:
Star Trek Voyager und seine Charaktere gehören Paramount.
Idee zur Story von Kisara (=Kisara22). Nicht
untätig dabei zusehen konnte Kathryn J. (=KathrynJonVoy).
Die Phantasie ist ganz allein unsere! (Feedback: kimmkieker@aol.com )
Dank an Rachael, Gates Hepburn, Camryn, Gilly
H und Tachyon für die Fakes!
Dank an die vielen JC-FanFic-Autoren für die
Inspiration!
Anmerkung: Die Szene auf New Earth nach der Angry-Warrior-Legende
bezieht sich auf den ursprünglichen Drehbuchtext von Jeri Taylor.
Medizinische Geräte, Verfahren und Arzneimittel der Sternenflotte: http://memory-alpha.org/de/wiki/Hauptseite
Der „Film zum Buch“: http://www.youtube.com/watch?v=0yUdvHEmZXY
Mehr von Kathryn
J.: http://www.newearth-jcparadise.de
Rating: Diese
Geschichte ist nur für erwachsene Leser geeignet (Rating: NC17 bzw. MA 18+).
Zusammenfassung: Captain
Janeway trifft im Alleingang eine folgenschwere
Entscheidung, die sie beinahe das Leben kostet. In der Zeit des Bangens
um Kathryn trifft Chakotay eine Entscheidung...Auch Janeway denkt über ihre
Beziehung zu Chakotay nach.
Genre: Drama/Romanze
Kisara & Kathryn J.

Glück im Unglück
Sie erhob sich aus ihrem Captainssessel und nickte Chakotay kurz zu,
"Sie haben die Brücke!", drehte sich um und ging in ihren
Bereitschaftsraum.
Als sich die Tür hinter ihr schloss, fasste sie sich an die Stirn.
'Verdammt, warum mussten wir nur auf die Chalax
treffen!' Der Schmerz lies etwas nach, und sie setzte
sich an ihren Schreibtisch und nahm ein PADD in die Hand.
Ihre Gedanken schweiften kurz darauf wieder ab. 'Wenn ich den Chalax nicht versprochen hätte, dass ihre Existenz geheim
bleiben würde, hätten sie unser Schiff sofort schwer beschädigt und uns den
Durchflug ihres Raumes verboten. Ihn zu umfliegen war unmöglich. Ich musste
mich schnell entscheiden. Ich habe ihnen von unserem Schicksal berichtet, das
uns in den Delta-Quadranten verschlagen hat und sie um Nachsicht und Hilfe
angefleht. Als Gegenleistung verlangten sie von mir, dass niemand auf der Voyager von ihrem Dasein wissen durfte. Die Chalax vermieden vehement jeglichen Kontakt zu anderen
Rassen. Um mich und mein Verhalten zu kontrollieren, pflanzten sie mir einen
Chip in meinen Cortex. Dieses verdammte Ding, dass mir
jetzt auch noch Kopfschmerzen bereiten muss.' Sie verzog gepeinigt ihr Gesicht.
Kathryn fühlte sich elend. Da war das schlechte Gewissen ihrer
Mannschaft gegenüber, so etwas Wichtiges geheim halten zu müssen und
gleichzeitig ihre immer stärker werdenden Schmerzen. Aber sie durfte jetzt
nicht schwach werden. Sie musste für die Crew stark sein und sie beschützen.
Wenn sie dem Plan folgen würde, dürften sie ohne Probleme den Raum der Chalax durchqueren können. Danach würden sie ihr den
Kontrollchip auch wieder entfernen. Die Reise dauert nur noch eine Woche. 'Du
musst durchhalten,' dachte sie noch, während ihr
schwindlig wurde.

Der Türsummer erklang und sie wurde aus ihren Gedanken gerissen. Der
Captain schluckte einmal und versuchte, das Schwindelgefühl so gut es ging zu
unterdrücken. 'So Kathryn, jetzt nur noch einen gleichgültigen Gesichtsausdruck
auflegen'. "Herein!"
Die Tür glitt auf und der 1.Offizier trat ein.
"Ja, was gibt es, Commander?" Chakotay sah den Captain
forschend an. Seid einigen Tagen verhielt sie sich anders. Sie suchte oft die
Einsamkeit in ihrem Raum, aß nicht mehr im Casino und wechselte nur noch die
dringendsten Worte mit ihm.
"Ich bringe ihnen den täglichen Bericht aus dem
Maschinenraum."
"Danke, legen sie ihn auf den Stapel."
Chakotay stand immer noch unschlüssig vor ihrem Schreibtisch. Er sah,
dass sie sich gar keinen Kaffee geholt hatte, und dann musterte er seinen
Captain noch genauer. Ihr Gesicht war kalkweiß, es wirkte so ausdruckslos, ihre
Augen waren voller Trauer und Schmerz zugleich.
'Sie versucht wie immer ihr Captainsface vor
mir zu waren. Dabei muss sie doch genau wissen, dass
ich sie nach 4 Jahren schon zu gut kenne, um nicht zu merken, dass es ihr nicht
gut geht.' dachte Chakotay. Er hatte sie wohl etwas zu lange wortlos
angestarrt, denn Janeway stand auf und ging um den Schreibtisch herum.
"Wenn es sonst nichts mehr gibt, Commander..."
"Doch Captain, ich wollte mich erkundigen, ob es ihnen gut geht.
Seid einigen Tagen verhalten sie sich so merkwürdig..." Janeway unterbrach
ihn "Mir geht es blendend, wenn sonst nichts mehr ist...Sie
dürfen..."
Sie konnte den letzten Satz nicht mehr beenden. Sie fasste sich abermals
an die Stirn. Doch diesmal war der Schmerz um ein Vielfaches schlimmer, ihr
wurde wieder schwindelig. Sie schwankte.
Kathryn, was ist los?" Chakotay ging einen Schritt auf sie zu und
fasste ihren Arm. Sie zitterte und ihre Knie gaben nach. "Mir ist nur
etwas schwindlig", versuchte sie ihn abzuwimmeln.
Die Chalax hatten ihr verboten, auch nur einem
Crewmitglied zu sagen, welche Abmachung sie getroffen hatten. Sie durfte nichts
verraten. Zu viel stand auf dem Spiel. Sie wollte nicht noch einmal Unglück
über
"ihre Crew bringen. Es war schon schwer genug für sie, damit zu
leben, dass sie die Phalanx des Fürsorgers der Ocampa
zerstören ließ. Würde sie jetzt schwach werden, würden die Chalax
nicht nur sie töten, sondern auch das Schiff angreifen. Wer weiß, ob sie den Chalax überhaupt entkommen könnten.
"Du siehst nicht gut aus. Komm ich bring dich auf die
Krankenstation." Ganz unbewusst war er zum Du

übergegangen. Kathryn bemerkte es nicht, sie hatte mit ihrer drohenden
Ohnmacht zu kämpfen.
"Nein danke, dass ist nicht nötig." Janeway fasste sich nun
wieder etwas. Der Schwindel legte sich. Sie ging einen Schritt zurück, um
seiner stützenden Hand zu entweichen. 'Ich weiß, Chakotay, dass Sie sich Sorgen
machen, aber ich darf keinem etwas sagen.'
"Wegtreten, Commander!"
"Aber Kathryn,..." Sie wandte sich ab und ließ den sichtlich
verdutzten Commander einfach stehen. Zögernd drehte er sich um und verließ
ihren Raum. 'Verdammt Kathryn, was ist nur los mit dir?' Er setzte sich wieder
in den Commandosessel und bemühte sich, sich vor der
Crew nichts anmerken zu lassen.
Nachdem seine Schicht auf der Brücke schon fast zu Ende war und sich der
Captain immer noch im Bereitschaftsraum befand, beschloss er, nochmal zu ihr zu
gehen.
'Irgendwie muss ich doch herausfinden, was mit ihr los ist.' Er
betätigte den Türsummer, doch die vertraute Stimme, die "Herein"
sonst sagte, blieb aus. Er drückte nochmal. "Computer, die Tür zum
Bereitschaftsraum öffnen. Autorisation Chakotay beta
3." Die Türen glitten zur Seite, er trat ein. Sie saß nicht am
Schreibtisch. Die Tür schloss sich hinter ihm.
Er wandte sich nach rechts und sah zur Couch hinüber.
"Kathryn!" Angst schloss sich wie eine eisige Hand um sein Herz. Sie
lag vor dem Replikator. Ihr Gesicht schien noch blasser als zuvor zu sein. Er
kniete neben ihr nieder. Mit zitternden Händen drehte er sie auf den Rücken und
tastete nach ihrem Puls an der Halsschlagader. Sofort erkannte er, dass sie
bewusstlos war. Vorsichtig untersuchte er sie auf sichtbare Verletzungen. Chakotay nahm ihre Schultern und fasste sie
sanft. "Kathryn, wach auf!"
Ihre Augen blieben verschlossen. Sie stöhnte leise wie unter Schmerzen
und großer Angst, murmelte unverständliche Worte.
Chakotay beugte sich dicht über sie, konnte aber nicht deren Sinn
verstehen. Nur seinen Namen wiederholte sie immer wieder. Er nahm ihren Oberkörper vorsichtig auf,
drückte sie sanft an sich und
strich ihr eine rotblonde Haarsträhne aus der Stirn. Wie lange hatte er
sie nicht mehr so halten und berühren dürfen....Er
schloss die Augen und verharrte bewegungslos, die bewusstlose Kathryn an seiner
Brust.
Schnell verdrängte er seine Tagträume wieder. Kathryn war sein Captain
und da war an mehr als eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen nicht zu denken.
Und diese bedeutete ihm sehr viel. Niemals wollte er ihre Freundschaft durch
unüberlegtes Handeln gefährden.
Plötzlich wurden ihre Worte lauter, klarer: „Nein! Chakotay, lass mich
nicht allein. … Geh nicht weg, ich brauche dich so sehr! Es tut mir so leid! Es tut mir so leid, bitte, bitte
verzeih mir!“
Chakotay horchte erschrocken auf. Er wusste im ersten Moment gar nicht,
was er tun sollte, doch dann versuchte er, sie zu beruhigen:„Kathryn, ich bin
doch da. Du bist nicht allein!“ Doch die zarten Schultern

der Frau in seinen Händen, zitterten. Sie schluchzte und Tränen rannen
über ihr Gesicht. Mit schwacher Stimme
rief sie immer wieder seinen Namen. „Nein, geh nicht! Du darfst mich nicht auch
noch allein lassen. Ich brauche dich... Ich liebe dich doch!“ Ihm lief ein
eiskalter Schauer den Rücken hinab. Chakotay konnte keinen klaren Gedanken mehr
fassen. 'Sie liebt mich!' Seine Gedanken rasten. 'Dabei hatte sie sich so
abweisend verhalten, seit die Voyager sie aus ihrem Paradies auf New Earth
abgeholt hatten. Mit keinem Wort hatten sie jemals über diese vier Monate
gesprochen.
Er dachte, sie wollte alles Vorgefallene ungeschehen machen, dass er auf
New Earth vielleicht nur eine "Notlösung" für sie war und im
wirklichen Leben als ehemaliger Maquis ihr vielleicht ein Freund, niemals aber
mehr sein konnte. Deshalb hatte er sich letztendlich kummervoll in sich
zurückgezogen und versucht, alle seine Gefühle für Kathryn in den hintersten
Winkel seines Bewusstsein zu verdrängen.
Aber er liebte sie noch immer und unterstützte sie, wo er nur konnte,
auch wenn seine Loyalität manchmal hart auf die Probe gestellt wurde. Das war
alles, was er für sie tun konnte und er war froh, sie wenigstens jeden Tag zu
sehen und in ihrer Nähe zu sein.

Auf einmal schlug Kathryn ihre Augen auf. „Chakotay?“, fragte sie
leise. Chakotay wurde jäh aus seinen
Gedanken gerissen.
Dann schnellte sie in die Höhe und saß plötzlich mit weit aufgerissenen
Augen vor ihm. Er hielt sie an ihren Schultern. Kleine Tränen liefen noch immer
über ihre Wangen. „Chakotay! Du lebst.“ Für einen kurzen Moment lehnte sie sich
erleichert und glücklich an seine starke Brust und
sog das Gefühl von Wärme und Geborgenheit unbewusst in sich auf. Wie vertraut
ihr dieser Mann doch war. ' Oh nein, ich war wohl bewusstlos! Warum bin ich so
froh, ihn zu sehen? Warum sieht er mich so verwirrt an?' Plötzlich realisierte
sie, wie sie sich gerade an ihn schmiegte und erschrak etwas über sich selbst.
' Kathryn, reiß dich zusammen!' Sie drückte sich sanft, aber doch bestimmt von
ihm weg, wischte sich kurz mit dem Handrücken über ihre Wangen und stand
langsam vom Boden auf.
Ihr 1. Offizier war immer noch sprachlos und innerlich aufgewühlt
darüber, was sie gesagt hatte.
Er fühlte noch immer ihre Wärme an seiner Brust. Ein angenehmes Kribbeln
durchströmte seinen Körper bis in den Kern, wenn er sich ihr Ankuscheln, ihren
Kopf an seiner Brust in Erinnerung rief. 'Zum Glück weiß sie nicht, was sie in
ihrer Bewusstlosigkeit zu mir gesagt hat. Sie würde mir sicher wieder tagelang,
vielleicht auch wochenlang ausweichen. Warum hat sie nur solche Angst, mich zu
verlieren, sie weiß doch, dass ich immer für sie da sein werde. Und was tut ihr
so leid? Was bereitet ihr solche Pein?' Unmöglich
konnte er sie fragen...
Er half ihr beim Aufstehen. Danach wollte er auf seinen Communicator
tippen, um den Doktor zu rufen.
"Nein, nicht! Mir geht es gut!" Sie hielt sanft seine Hand
fest, damit er nicht auf seinen Communicator tippen konnte. Überrascht sah
Chakotay auf, und verlegen sahen sie sich kurz in die Augen. Jede dieser
Berührungen erinnerte ihn so sehr an New Earth. Er lächelte zaghaft, doch
Kathryn wandte ihren Blick sofort ab und sah aus dem Fenster.
"Was ist passiert, Kathryn?"
"Mir war nur etwas schwindlig. Ich hab wohl etwas zu viel Kaffee
getrunken und zu wenig gegessen." Mit diesen Worten zog sie ihre Uniform
glatt. "Das kann sein, aber da steckt doch noch etwas anderes dahinter,
das du mir nicht verraten willst." Er sah sie besorgt an. 'Ach Chakotay,
ich würde dir so gern sagen, was los ist. Aber ich darf es einfach nicht.'
Der 1. Offizier sah, wie sich sein Captain Gedanken machte und wieder
versuchte eine Barriere aufzubauen. 'So leicht kommst du mir diesmal nicht
davon, Kathryn.' dachte Chakotay. Doch als er genauer nachfühlen wollte, warum
es ihr so schlecht ging und sie sich in den letzten Tagen so komisch verhielt,
sah er auf einmal, wie Kathryn´s Augen ausdrucklos
wurden. Sie fing wieder leicht an zu zittern, griff Hilfe suchend nach seiner
Hand. „Chakotay...“ Sofort griff er nach ihren Schultern, bevor sie wieder
zusammenbrach.

Er betätigte seinen Communicator "Chakotay an Krankenstation.
Nottransport! Der Captain ist bewusstlos." Ihre Körper verschwanden in dem
vertrauten blauen Glitzern des Transporters und nur einen drei Sekunden später
fanden sie sich auf der Krankenstation wieder.
Chakotay legte den erschlafften Körper seines Captains aus seinen Armen
auf ein Biobett. Der Doktor stand schon bereit und scannte sie kurz. "Was
ist passiert, Commander?"
"Ich weiß es nicht genau, sie wurde bewusstlos."
"Einfach so, ohne weitere Vorgeschichte?" wollte das MHN
wissen. Er war zwar nur ein Hologramm, doch hatte er in den vielen Jahren
inzwischen ein Gefühl für die Menschen bekommen. Er hatte bemerkt, dass der Commander
ihm etwas vor enthielt.
"Ich hatte sie zuvor schon ohnmächtig gefunden,“
gab Chakotay zu. „Sie wachte aber gleich wieder auf
und versprach mir, dass es ihr gut ginge. Sie wissen doch, dass sie sich nur
ungern Schwäche eingesteht."
„Ja, ja....", sagte der Doktor, während er sie weiter scannte und
ihr dann 10 Einheiten Cordrazin verabreichte.
"Da ist noch etwas, sie wirkt schon seid ein paar Tagen verändert.
Sie hat sich immer mehr zurückgezogen, und sie war sehr blass, und heute
Vormittag ging es ihr auch schon nicht so gut.
Was ist los mit ihr, Doktor? Ich mache mir ernsthafte Sorgen!"
"Der Scannerbericht besagt, dass sie nur etwas erschöpft ist und
unter Schlafmangel leidet. Warten sie, Commander..." Der Doktor scannte
nur ihren Kopf mit einer höheren Auflösung.
Auf einmal fing Janeway an zu krampfen.
*****
"Ich habe doch gesagt, dass wir der Menschenfrau nicht trauen
können“, sagte der Chalax. „Jetzt weiß bald das ganze
Schiff, dass etwas mit ihr nicht stimmt und wenn sie herausfinden, dass wir ihren
Captain entführt und ihr einen Chip zur Gedankenüberwachung eingepflanzt haben,
werden sie Nachforschungen anstellen. Man wird unsere Art bis ins kleinste
Molekül erforschen wollen."
"Nein, soweit darf es nicht kommen! Schalten sie die
Selbstzerstörungsfunktion des Chips ein!
Um das Schiff kümmern wir und später. Jetzt darf erstmal kein Hinweis
auf uns deuten."
*****
Auf der Krankenstation der Voyager sah unterdessen Chakotay besorgt auf
seinen Captain nieder. "Doktor, was ist mit ihr?" Ihr Körper zuckte
nur noch leicht, sie verlor schnell an Kraft. Der Überwachungsmonitor piepte
immer lauter. Ihre Lebenszeichen wurden schwächer. "Doktor!" schrie
ihn Chakotay schon fast an.
"Jetzt nicht, Commander!" Der Doktor schob ihn etwas zur
Seite, um mehr Handlungsfreiraum zu haben. Er injizierte ihr mehrere Hyposprays
hintereinander und scannte sie wieder und wieder mit seinem Tricorder. „Kes, Corticalstimulator bitte!“ Der Doktor befestigte das Gerät
an der Stirn des Captains. Kes assistierte an der Steuerkonsole für das Gerät
und initiierte nach Anweisung des MHN die Stromimpulse, um dadurch die
Gehirnfunktionen zu reaktivieren.

"Irgendein Fremdkörper befand sich in ihrem Cortex. Er ist gerade,
als ich ihn scannen wollte, wie in einer Mini-Explosion rupturiert.
Ihr Gehirn hat schweren Schaden genommen. Ich versuche ihre Lebensfunktionen
wieder zu stabilisieren und das Gewebe zu regenerieren." Zu mehr Erklärung
hatte der Doktor keine Zeit.
'Kathryn, du darfst nicht sterben. Warum hast du nur nichts gesagt, ich
dachte, wir vertrauen
einander. Jetzt, wo ich weiß, wie Du für mich empfindest... du darfst
nicht einfach so sterben!' Chakotay nahm verzweifelt ihre Hand und drückt sie
fest. Tränen der Verzweiflung stiegen in ihm auf und bildeten einen Kloß in
seinem Hals. Scheu streichelte er ihren Arm. "Kathryn, bitte tu mir das
nicht an!", hatte Chakotay ganz in Gedanken laut gesagt. Das MHN sah kurz
zu dem verzweifelten Mann neben sich auf und wechselte mit Kes einen
überraschten Blick. So emotional aufgewühlt hatten sie den sonst so ruhigen und
beherrschten Commander noch nie gesehen.
Das Warnsignal der Monitore hörte nach einer Ewigkeit, wie es Chakotay
vorkam, auf, und der Doktor sah etwas entspannter zu ihm hinüber. "Ich
konnte sie erst einmal mit Hilfe unserer Geräte stabilisieren, aber ihre
Lebenszeichen sind sehr schwach und ihre corticalen
Emissionen fast bei Null.“
„ Jetzt müssen wir noch herausfinden, welche Funktion und welche
Herkunft dieses Gehirnimplantat hatte
und wer oder was seine Zerstörung verursacht hat.“ „Ich bin Arzt und
kein Detektiv! Ich denke, Commander, das ist ihre Aufgabe, das zu untersuchen.
Hier können sie jetzt sowieso nichts machen und stehen mir nur im Weg. Ich weiß
nicht, wie lange sie noch bewusstlos sein wird. Ich muss eine Regenerationsmöglichkeit
für ihre zerstörten Gehirnstrukturen finden, sonst wird der Captain sterben
oder sehr schwere Schäden davontragen.“ Dabei schob er Chakotay Schritt für
Schritt zum Ausgang der Krankenstation.
"Ja, da haben sie recht. Aber bitte informieren sie mich sofort,
wenn sie aufwacht oder sich ihr Zustand verschlechtert."
Daraufhin sah er noch ein letztes Mal in ihr Gesicht und verließ die
Krankenstation. Der Doktor wandte sich seinen Scans zu und wiegte besorgt den
Kopf.
"Tuvok, scannen sie die Umgebung nach fremden Schiffen oder anderen
Auffälligkeiten und das Schiff nach Eindringlingen! Der Captain wurde
angegriffen."
"Angegriffen, Sir?"
"Ja, sie liegt auf der Krankenstation. Sie ist in Lebensgefahr. Der
Doktor vermutet, dass ihr ein Chip ins Gehirn eingepflanzt wurde, der nach
seiner Selbstzerstörung schwere Verletzungen angerichtet hat."
Während er auf die Berichte seiner Offiziere wartete, schweiften seine
Gedanken wieder ab. Er musste unentwegt an Kathryn denken.
Der Commander hielt es nach einer Stunde auf der Brücke nicht mehr
länger aus und machte sich auf den Weg zur Krankenstation, auch wenn er wusste,
dass Kathryn mit Sicherheit noch bewusstlos war. Es war egal. Er musste bei ihr
sein. Ihre Hand halten, sie berühren, ihr irgendwie Kraft spenden.
Als Chakotay die Krankenstation betrat, empfing der Doktor ihn
etwas unmutig. „Commander, ich sagte doch, dass ich sie rufen werde, sobald der
Captain wieder bei Bewusstsein ist.“
' Ich kann ihm ja schlecht sagen, dass ich da bin, weil ich sie liebe,
sie nicht allein lassen möchte.' „Ja Doktor ich weiß, aber vielleicht hilft es
unserem Captain ja, wenn eine vertraute Stimme mit ihr spricht.“
Das MHN verstand endlich und zog sich diskret in sein Labor
zurück.
Chakotay holte sich einen Stuhl und setzte sich neben Janeway. Der
Doktor hatte einen Stabilisator für ihre vitalen Funktionen über ihrem Kopf
installiert und eine Sonde zur besseren Sauerstoffversorgung gelegt. Chakotay
warf noch einen kurzen Blick zum Doktor, doch dieser hatte sich in seine PADDs
und Analysen vertieft.
Zaghaft nahm er ihre Hand in seine. Mit seiner anderen Hand strich er
ihr über ihr offenes Haar. Ihr zarter Körper war nur von einem Laken bedeckt
und das rotblonde lange Haar fiel weich und etwas zerzaust über ihre Schultern.

Chakotay Lippen näherten sich ihrer unbedeckten Schulter, währen er ihr
ins Ohr flüsterte:. „Oh Kathryn,wenn
du nur wüsstest, wie sehr ich dich auch liebe! ...Hörst du ?...Du
musst kämpfen! Bitte, wach auf,
...für uns beide.“ Er sah sich
verstohlen nach dem Doktor um und hauchte ihr heimlich einem Kuss auf die
Schulter. Ihr Duft...er sog ihn ganz tief ein...ihre kühle, weiche Haut...
Chakotay durchfuhr ein heißer Strahl bis in sein Innerstes. Sein Herz raste.
Das MHN kam aus seinem Büro. Chakotay fuhr erschrocken zurück und stand
verlegen auf.
„Commander, die Besuchszeit ist zu Ende. Der Captain braucht seine Ruhe!
Ich rufe sie, sobald sie wach ist!“ das MHN war diskret genug, um keinen
weiteren Kommentar abzugeben.
„Ja, ist in Ordnung, vielleicht hat Tuvok schon etwas Neues heraus
gefunden, das uns weiter hilft.“
Mit diesen Worten ließ er ihre Hand los und legte sie vorsichtig neben
ihren Körper. 'Sie sieht so zart und verletzlich aus, ohne ihre Uniform.' Dass
sie manchmal gegen Klingonen mit einem Bat'leth den Nahkampf auf dem Holodeck
trainierte...So, wie sie jetzt da lag, hätte er sich das gar nicht vorstellen
können. So war sie einfach nur Kathryn, kein stahlharter Captain und kein
gefürchteter Gegner der Kazon und Vidiianer. 'Ich würde alles darum geben, sie
noch einmal einfach nur als Kathryn zu sehen. Wie damals auf New Earth, wo ihre
Captainsmaske von Tag zu Tag durchsichtiger geworden
war....Hoffentlich sehe ich sie überhaupt noch einmal
lebend', fuhr es Chakotay plötzlich ins Bewusstsein und eine eiskalte Hand
legte sich um sein Herz. Mit Mühe riss
Chakotay sich los. Er machte sich wieder auf den Weg zur Brücke.
Die Türen des Turbolifts glitten auf, und Chakotay trat auf die Brücke.
„Bericht!“
Tuvok hob eine Augenbraue: „Unsere Scans nach fremder DNA mit den
internen Sensoren haben Spuren unbekannter DNA im Quartier des Captains
ermittelt. Die Eindringlinge waren aber vor mehr als 200 Stunden dort. Keine
weiteren Spuren. Keine Schiffe in Sensorenreichweite, Sir.“ 'Zum Teufel,
Kathryn, was war da los?', dachte Chakotay vorwurfsvoll. „Mister Kim, habe Sie
etwas Ungewöhnliches feststellen können?“
„Nein Commander, alles normal.“ Ein Piepen ertönte an der Ops. „Warten Sie, Sir, die Sensoren geben Alarm, ein Schiff
nähert sich.“
„Auf den Schirm!“
Auf dem großen Wandschirm erschien ein kleines Schiff, doch die Sensoren
verrieten, dass es schwer bewaffnet war.
„Commander, wir werden gerufen, nur Audio.“ „Lassen Sie hören!“ Chakotay erhob sich aus
seinem Sessel und sah besorgt zu Fähnrich Kim.
„Raumschiff Voyager! Wir sind die Chalax. Wir
hatten Ihren Captain gewarnt! Sie hat sich nicht an unsere Abmachung gehalten!
Wir wissen, dass sie uns verraten hat.
Deshalb wird Ihr Schiff vernichtet werden.“
Chakotay ging ein Licht auf.

Er war gleichzeitig verärgert über Janeways „Alleingang“ und
gleichzeitig besorgt um sie. ´Was haben sie ihr bloß angetan, dass sie so eine
Entscheidung alleine trägt. Die Gehirnsonde...!´
„Hier spricht Commander Chakotay vom Föderationsraumschiff
Voyager...Bitte, wir können uns bestimmt einigen…Da liegt bestimmt ein Irrtum
vor...“, aber der Chalax ließ sie nicht zu Wort
kommen und sprach mit monotoner Stimme weiter. „Wir vertrauen Ihnen nicht. Wir
werden die Voyager zerstören!“
„Sie laden ihre Waffensysteme, Sir“, warnte Tuvok von der Rückseite der
Brücke.
„Schilde hoch! Phaser und Photonentorpedos bereit! Mister Paris,
Ausweichmanöver Gamma 5 initiieren!“
„Aye, Commander.“
Ein dumpfer Knall war zu hören und das Schiff erbebte.
„Schadensbericht!“ „Hüllenbrüche auf Deck 5 und 6. Schilde auf 50%.“
„Feuer erwidern!“ „Bericht!“
„Ihre Schilde halten. Ein weiterer Treffer. Wir verlieren die Eindämmung
auf den Decks 10 - 12!“
„Feuern sie weiter, Mister Tuvok, Photonentorpedos – Feuer!“

Das Schiff schlingerte wieder unter dem Beschuss, diesmal noch heftiger
als zuvor. Die Brückenoffiziere verloren das Gleichgewicht. Rauch stieg auf.
Eine Platte der Deckenverkleidung krachte auf die Brücke. Das Schiff ächzte und
knartzte, als ob es gleich auseinander brechen würde.
Die Voyager kippte zur Seite. Die Trägheitsdämpfer
fielen aus.
Paris klammerte sich an seine Konsole und konnte noch ein paar Daten
entziffern: „Commander, ich habe keine Kontrolle mehr über das Ruder!“ Mit
einem lauten Knall schwankte die Voyager erneut und
alle wurden kreuz und quer über die
Brücke geschleudert. Funken sprühten aus der Konsole der Ops.
„Versuchen Sie, mit den Manövertriebwerken uns auf Kurs zu halten!“, rief
Chakotay, als er wieder auf die Beine kam. „Der Antrieb ist komplett
ausgefallen, Commander!“ „Brücke an Maschinenraum- B'Elanna, was ist los!?“
„Eine Trefferserie hat eine Überlastungs-Kettenreaktion in den EPS-Leitungen
und bioneuralen Gelpacks ausgelöst..Es
tut mir leid, ich kann ihnen keinen Antrieb zur Verfügung stellen. Wir rechnen
mit einem gesamten Energieausfall... Schalte auf Notenergie!“, rief Torres in
den Kommunikator, als gerade die Konsolendisplays und Beleuchtungen auf der
Brücke ausfielen.
„Commander, alle Stationen melden Verletzte. Schwere Schäden auf Deck 5
und 6.“
„Was ist mit den Chalax?“ „Sir, unsere
Sensoren sind ausgefallen. Zuletzt haben wir noch einen Treffer Ihres
Warpantriebes registriert.“ „Möglicherweise sind sie auch schwer beschädigt und
mit sich beschäftigt“, gab Chakotay zu bedenken. „Das wäre logisch, Commander“,
ließ sich Tuvok vernehmen,“sonst
hätten Sie uns weiter unter Beschuss genommen oder das Schiff geentert.“
„Mister Kim“, wann sind die Sensoren wieder einsatzbereit?“ „Negativ,
Sir. Wir müssen erst die EPS-Leitungen reparieren und die Energieversorgung stabilisieren.“ „Worauf
warten Sie dann noch? Helfen Sie B'Elanna im Maschinenraum.“ Mit einem „Aye,
Commander!“ verließ Harry Kim die Brücke, um zu Fuß zum Maschinenraum zu eilen.
Chakotay berührte seinen Kommunikator: „Brücke an Krankenstation! Wie
sieht es bei Ihnen aus, Doktor? Benötigen sie Mister Paris?“ Keine Antwort.
„Brücke an Krankenstation! Doktor, Kes, melden Sie sich!“ Stille. „Sir“,
stellte Tuvok fest, „Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Überladungen
unserer Systeme auch die Holomatrix des Doktors gestört haben. In diesem Teil
waren die schwersten Treffer.“ Verdammt! Kathryn...! „Chakotay an Kes!“ „Ja,
Commander, ich bin in der Messe und versorge die Verletzten aus den oberen
Schiffssektionen.“ „Kes, machen Sie weiter dort!“ „Tom, Sie müssen sofort auf
die Krankenstation! Nehmen Sie sich Fähnrich Wildman mit!“ Tom eilte davon und
beorderte Samantha Wildman auf die Krankenstation.
*****
„Paris an Chakotay“ „Sprechen Sie! Was ist los?“ Chakotay erstarrte ob
Toms Tonfall. „Sie sollten zur Krankenstation kommen, Sir...“ Chakotay spürte,
wie ihm alles Blut aus den Adern wich und sich schmerzhaft in seinem Herzen
sammelte. „Tuvok, Sie haben die Brücke“, sagte er tonlos und stürzte aus der
Tür.
Nach endlosen Gängen und Leitern in Notabstiegen langte er auf dem Deck
der Krankenstation an. Alles war verwüstet. Verkleidungen hingen lose herab,
überall Spuren von Zerstörungen durch Feuer, die das Löschsystem des Schiffes
zum Glück noch eindämmen konnte, bevor die Energieversorgung ausfiel. Das
Schott zur Krankenstation stand halb offen, jemand hatte sie per Hand
aufgeschoben, da auf diesem Deck auch der Notstrom ausgefallen war..
Als Chakotay die nur von Handstrahlern erleuchtete Krankenstation
betrat, standen dort viele verletzte Crewmitglieder, zum Teil mit notdürftigen
Verbänden und auf Kameraden gestützt. Aber keiner ließ sich behandeln. Keiner
sprach ein Wort. Er herrschte gespenstige Stille trotz der vielen Menschen. Sie
schienen nicht einmal zu atmen. Stumm wandten sie sich um, als sie Chakotay
kommen hörten und wichen auseinander. Es bildete sich ein Gang für dem Commander. Am Ende dieses Ganges standen Tom Paris und
Sam Wildman am Biobett von Kathryn
Janeway. Der Monitor über dem Bett war dunkel. Auch hier war also die
Energieversorgung zusammengebrochen. Chakotays Beine wollten ihren Dienst
versagen. Sie wollten immer langsamer werden. In Chakotay stieg eine noch nie
dagewesene Angst auf...Er erreichte Kathryn wie nach einer Ewigkeit, wie in
einem Traum. Er sah in ihr Gesicht, an dem er
sich nie sattsehen konnte. Es war ganz weiß. Ihre sonst pfirsichfarbenen
Lippen waren grau. Ihre meerblauen Augen geschlossen. Nur ihre rotblonden Haare
schimmerten so wie immer. „Kathryn...?“ Fassungslos strich er eine Haarsträhne
aus ihrem Gesicht. Er fasste ihre Hand, die von der Liege hing. Sie war kalt.
Kathryn war tot. Ohne die lebensrettenden Geräte und den holografischen Doktor
hatte sie keine
Chance gehabt.
Er konnte an nichts anderes mehr denken, als dass er Kathryn einfach
hatte gehen lassen, als sie von New Earth wieder an Bord kamen.

Er hatte es zugelassen, dass sie sich
zurückzog, anstatt sich so zu verhalten wie ein richtiger Krieger und
vor der Crew seine Liebe zu Ihr zu gestehen. Und um sie zu kämpfen. Er
zweifelte daran, dass ein Verhältnis zwischen Ihnen, das mehr war als nur
Freundschaft, ihre Dienstausübung beeinträchtigt hätte. Was sollten hier schon
Sternenflottenregeln bedeuten, zumindest in dieser Hinsicht. Wer weiß, ob sie
überhaupt jemals den Föderationsraum gemeinsam erreicht hätten...
Ja, sie hatten nach der Geburt von Naomi sogar an die Voyager als
Generationenschiff gedacht...
Warum hatte er sie nur gehen lassen? Sie wollte es so. Und er wollte
wenigstens ihre Freundschaft behalten.
Sie beide hatten nun getrennt ihre letzten Monate in Traurigkeit über
den Verlust des Zaubers von New Earth verbracht. Nun war es zu spät...
Er wusste nicht, wie lange er so gesessen hatte. Plötzlich spürte er,
wie sich eine Hand ruhig und fest auf seine Schulter legte. „Chakotay...wir
müssen das Schiff wieder einsatzbereit machen, sonst werden wir noch alle
getötet. Wir müssen schnellstmöglich den Doktor reaktivieren. B'Elanna wird
zuerst die Notstromversorgung wiederherstellen. Nur der Doktor kann vielleicht
noch helfen. Er hatte mir mal bei seinen Unterweisungen gesagt, dass man auch
noch ein paar Stunden nach dem Tod jemanden zurückholen kann. Aber ich weiß es
nicht mehr so genau. Chakotay, wir brauchen Sie. Hier können wir zur Zeit nichts tun...“
Tom Paris sprach ruhig auf den Commander ein und bewegte ihn sachte zum
Aufstehen. Die Männer umarmten sich. Beide hatten plötzlich Tränen in den
Augen.
Tom war für Chakotay von einem verachteten Verräter zum Vertrauten
geworden, nicht zuletzt durch ihrer beider Freundschaft zu B'Elanna.
Er strich noch einmal über Kathryns kalte, weiße Wange. „Ich werde alles
tun, um Dich zurückzuholen“, versprach er ihr tonlos. Dann ließ er sich von Tom
hinausführen, während die Notbeleuchtung in der Krankenstation wieder
aufflammte.
Vier Stunden später waren die notwendigsten Aufräum- und
Wiederherstellungsarbeiten auf der Brücke soweit abgeschlossen. Oberste
Priorität hatten jetzt erstmal Antrieb, Hauptenergieversorgung und vor allem
die Reaktivierung des Doktors.
Sensorenscans des umgebenden Raums
ergaben ein treibendes Wrack etwa 500000 km entfernt. Es handelte sich um das Chalax-Schiff. Es waren keine Lebensformen, weder vitale
noch tote feststellbar.“Sir, es ist möglich, dass die
Crew das Schiff mit Rettungskapseln oder Shuttles verlassen hat, aber
wahrscheinlicher ist es, dass dieses Schiff gänzlich unbemannt war“, äußerte
Tuvok. „Bestätige“, fügte Fähnrich Brooks hinzu, die Harrys Station betreute,
„ich kann keine Reste von Antriebssignaturen erfassen. Und das hätten
Fluchtkapseln und erst recht Shuttles hinterlassen, Sir.“ „Ein unbemannter und
ferngelenkter Abfangjäger wäre auch eine logische Wahl für kontaktscheue xenophobe Spezies.“,
ergänzte Tuvok die Überlegungen der Senioroffiziere auf der Brücke. „Eine
faszinierende Technik. Sie sind uns technisch weit überlegen. Wir sollten so
schnell es geht verschwinden, bevor die Chalax aus
dem Versagen ihres Abfangjägers Konsequenzen ziehen“, sagte Chakotay. „Dem
pflichte ich bei“, äußerte Tuvok, begleitet vom zustimmenden Nicken der
Brückenoffiziere.
„Brücke an Torres!“ „Torres hier.“ „B'Elanna, wie lange brauchen Sie
noch, bis wir den Antrieb zur Verfügung haben?“ „Die Impulstriebwerke sind in
30 Minuten einsatzbereit. Wir lassen gerade noch ein paar Tests laufen. Die
Energie wird auch bis dahin voll zur Verfügung stehen. Lieutenant Carey tauscht
gerade noch einen defekten Schaltkreis aus. Der Warpantrieb wird
voraussichtlich in 2 Stunden zur Verfügung stehen. Torres Ende.“
Eine halbe Stunde später nahm die Voyager mit maximaler Impulskraft
ihren Kurs Richtung Alphaquadrant wieder auf.
Chakotay zog sich nach Dienstende und Übergabe der Brücke an die
Nachtschicht-Crew um Commander Tuvok in den Bereitschaftsraum zurück, um die
Berichte über das Fortschreiten der Reparaturmaßnahmen auf dem gesamten Schiff
auszuwerten. Danach wollte er sich noch einmal auf die Krankenstation begeben.
Bei der vielen Arbeit, den Fragen und Problemen, die aus allen Abteilungen in
den vergangenen Stunden an ihn herangetragen
worden waren, hatte er gar keine Zeit gehabt, seiner Sorge um Kathryn
nachzugeben. Auf jeden Fall hatte sie ihm schon bei der Koordinierung und
Beaufsichtigung aller Reparaturmaßnahmen sehr gefehlt. Er konnte und wollte
sich eine Weiterreise ohne Kathryn Janeway nicht vorstellen.
Tom, B'Elanna und Harry hatten sofort nach Bereitstellung der
Notenergieversorgung ein behelfsmäßiges Stasisfeld um
den Captain errichtet, um ihren Körper vor dem Zerfall zu bewahren. Nun
arbeiteten Harry und B'Elanna fieberhaft an der Reaktivierung der Doktors,
während das Team vom Maschinenraum unter dem Kommando von Lieutenant Carey den
Warpantrieb reparierte.
Chakotay weigerte sich, den Captainsposten zu
akzeptieren, solange noch ein Fünkchen Hoffnung bestand, Janeway zu retten.
Er ging durch den Bereitschaftsraum und sah aus dem Fenster zu den
Sternen. Wo mochte Kathryns Geist jetzt sein? War er hier auf dem Schiff oder
schon weit fort? Er musste unwillkürlich an Janeways Erfahrung mit dem Alien
denken, das sich in ihrem Geist festgesetzt hatte und ihr den eigenen Tod
suggerieren wollte. Chakotay lief es bei dieser Vorstellung kalt über den
Rücken. Er lehnte sich nachdenklich an den Fensterrahmen. Die Gedanken an
Kathryn schnürten ihm den Hals zu. Er würde, sobald sie wieder mit Warp
unterwegs waren, seinen geistigen Führer anrufen und ihn um Hilfe bitten.

Chakotay wollte sich nicht auf Kathryns Platz hinter dem Schreibtisch
setzen. Er setzte sich schließlich zum Arbeiten vor den Tisch, wo er immer saß,
wenn er mit ihr Schiffsangelegenheiten besprach. Ihre Tasse stand noch neben
dem kleinen Bildschirm. Versonnen schob er sie hin und her. Er konnte sich
einfach nicht auf die PADDs konzentrieren.
Seufzend stand er auf, ging in Gedanken versunken über die Brücke und
begab sich auf die Krankenstation. Er musste Kathryn einfach noch einmal sehen.
Er konnte es einfach nicht glauben, dass es sie nicht mehr geben sollte.
Man hatte sie inzwischen in eine Stasiskammer gelegt, die jetzt wieder
durch die Energie des Schiffes gespeist werden konnte. 'Wie die schöne
Prinzessin in ihrem Glassarg', erinnerte sich Chakotay wehmütig an ein altes
Märchen von der Erde, das er als Kind einmal gehört hatte. Wenn er doch auch
nur die Macht hätte, sie einfach wieder lebendig und gesund werden lassen zu
können. „Kathryn....“, er sah in ihr stilles Gesicht
und begann ihr eine der alten Legende seines Volkes zu erzählen, die Kathryn
immer so gerne hörte. Vielleicht brauchte er gar nicht seinen geistigen Führer
um Rat zu fragen...während er zu Kathryn sprach, spürte er ihre gegenseitige
tiefe mentale Verbundenheit, die auch über den Tod hinaus bestand. Er glaubte,
ihren Geist in seinem spüren zu können. Er bemerkte nicht, wie ihm Tränen die
Wangen hinunter liefen. Ihn erfüllte eine große Ruhe und Zuversicht in sich
aufsteigen, während er weiter zu ihr sprach und seine Stirn an ihre
Stasiskammer legte.
War es wirklich eine uralte Legende? Ohne sich dessen bewusst zu werden,
sprach Chakotay von dem ruhelosen Krieger und der schönen Kriegerin, er sprach
von seinen Träumen, wie er sich das gemeinsame Leben mit Kathryn auf New Earth
vorgestellt hatte und sich auch auf der Voyager hätte vorstellen können - bis
sie wieder nebeneinander auf der Brücke des Schiffes saßen, und der Captain ihn
als erstes mit der Kontrolle des Problems mit der Temperatur der Vorfeuerkammer
der Phaserwaffen beauftragte.
Im Unterbewusstsein spürte Chakotay plötzlich ein kühles Metall an
seinem Hals und ein Prickeln, das durch seinen Körper ging. Dann packten ihn
mehrere Paar Hände...er wollte sich wehren, etwas sagen, aber dann wurde schon
alles schwarz und still um ihn.
B'Elanna, Tom und Harry waren auf die Krankenstation gekommen, um zu
versuchen, die Holomatrix des Doktors zu reaktivieren. Außer dem Captain
gab es noch weitere problematische Fälle, denen Tom nur notdürftig helfen
konnte. Die Verletzten konnten auch besser hier behandelt werden, nun, wo die
Schäden auf diesem Deck notdürftig beseitigt waren. Es war Eile geboten, dass
der Doktor wieder seinen Dienst versehen konnte.
Als sie eintraten, fanden sie den Commander schlafend an die
Stasiskammer des Captains gelehnt. B'Elanna konnte vor Rührung kaum ihre Tränen
zurückhalten. Tom fühlte eine warme Zuneigung für die Halbklingonin in sich
aufsteigen, als er ihre mitfühlende, verletzliche Seite unter der sonst rauen
und harten Schale entdeckte.
Zunächst wollten sie Chakotay wecken, bemerkten dann aber, dass er
offensichtlich im Traum geweint hatte. Sie wollten ihn einfach nicht in
Verlegenheit bringen, so ihnen gegenübertreten zu müssen. Deshalb verabreichte
ihm Tom beherzt ein kurzzeitig beruhigendes Hypospray, und sie legten den Commander auf eine
Behandlungsliege im Nebenraum. Sie sprachen nicht darüber, aber die Blicke, die
sie tauschten, verrieten ihre Betroffenheit darüber, wie viel der Captain dem
Commander offensichtlich bedeutete. Das Kommandoduo ging sonst zwar
freundschaftlich, aber doch sehr professionell miteinander um. Von der Tiefe
der Gefühle Chakotays hatten sie nichts geahnt. Selbst Chakotays Vertraute
B'Elanna war überrascht.
*****
Nach einer guten halben Stunde und mehreren Neukalibrierungen konnten
sie schließlich die Holomatrix des Doktors dauerhaft stabilisieren. „Bitte
nennen Sie die Art...“, begann der Doktor seine Standardstartsequenz, um dann
aber zu verstummen und sich an die drei Offiziere zu wenden. „Dürfte ich
erfahren, was hier passiert ist?“ Eilig nahm er seinen Tricorder, blickte
besorgt auf den Schiffschronometer und schritt zielstrebig zur Stasiskammer
hinüber, während Tom mit ihm Schritt hielt und alles berichtete, was
vorgefallen war.

Harry ging unterdessen auf die Brücke zurück, um sich bei Tuvok zum
Dienst zu melden und Bericht zu erstatten.
B'Elanna blieb noch, um sich um den Commander zu kümmern, wenn er bald
aufwachen würde.
Er würde jetzt sehr ihre seelische Unterstützung brauchen.
Als der Commander nach wenigen Minuten im Nebenabteil der Krankenstation
zu sich kam, sah er sich um und versuchte, sich an das Vorgefallene zu
erinnern. B'Elanna berührte ihn beruhigend an der Schulter. „Sie haben
geschlafen, Chakotay. Wir haben sie nur etwas bequemer hingelegt und außerdem
braucht der Doktor den Platz zum Arbeiten. Kommen Sie, ich bringe Sie in Ihr
Quartier. Sie sollten sich noch etwas ausruhen.“ „Sie konnten den Doktor wieder
reaktivieren?“, fragte Chakotay und ein Fünkchen Hoffnung glomm in ihm auf.
„Ja, der Doktor, Tom und Kes versuchen, den Captain zu reanimieren. Kommen
Sie...Sie können jetzt nichts für sie tun. Chakotay nickte gequält und ließ
sich von ihr mitführen.
Tiefe Dankbarkeit für die wiedergegebene Hoffnung, erfüllte ihn. Er
hatte plötzlich das dringende Bedürfnis, mit seinem geistigen Führer Kontakt
aufzunehmen. Er musste alles Erlebte mit seiner Hilfe verarbeiten. „Es ist gut
B'Elanna, ich komme allein zurecht.“ B'Elanna musterte Chakotay kritisch. „Na
schön. Aber Sie wissen, wo Sie mich finden, wenn Sie mich brauchen.“ „Danke,
B'Elanna. Sie waren mir immer eine gute Freundin.“
Chakotay wickelte sein Medizinbündel auseinander, legte alle Gegenstände
zurecht und aktivierte das Akoonah. Er legte seine Hand darauf und schloss die
Augen. „Akoo-cheemoya“, murmelte er, „Ich bin
entfernt von den heiligen Stätten meines Volkes, fern von den Gebeinen meiner
Ahnen...
Die Frau, die ich liebe...die ich nicht lieben durfte...ist tot. Ich
weiß nicht, ob der Doktor sie zurückholen kann. Ich habe Angst, sie zu
verlieren. Ich weiß nicht, wie ich ohne sie leben soll. Ich weiß aber auch
nicht, wie ich neben ihr weiter leben soll, falls sie ins Leben
zurückkehrt. Ich wollte ihre
Freundschaft nicht verlieren. Aber jetzt, wo sie tot ist, habe ich begriffen,
wie kostbar jede Minute mit Ihr gewesen ist, und das jetzt niemals sein kann,
was eines Tages hätte sein können...wenn Sie es auch gewollt hätte. Ich hätte
sie niemals gehen lassen dürfen... Niemals...“
Chakotays Stimme erstarb, als er durch den Nebel tauchte und eine sonnige
Waldlandschaft vor seinen Augen entstand. Die Sonne schien ihm genau ins
Gesicht, aber blinzelnd sah er eine
zierliche Frau im Gegenlicht langsam auf sich zukommen. An ihrer Seite ging mit
federnden Schritten der Schwarze Jaguar. Ihre Fingerspitzen strichen über den
Kopf des Tieres. 'Der Schwarze Jaguar', dachte Chakotay ehrfürchtig. Der
Schwarze Jaguar war das Totemtier, das für große Kraft und Mut stand. Für das
Ausfechten großer Kämpfe für eine gerechte Sache. Er entschied über Leben und Tod. Wem der
Schwarze Jaguar erschien,
der war berufen, sich auf eine Reise zu begeben, die seinen Geist,
seinen Mut und seine Loyalität an den
dunkelsten Orten testen würde. Und wenn der Reisende mit Erfolg heimkehrte,
sollte ihm großes Glück zuteil werden...nicht nur dem Reisenden, sondern auch
seiner Welt. Chakotay starrte die Raubkatze an, sein Herz raste.

Angst vor der unbekannten Herausforderung ergriff ihn. Er fühlte, wie
ihm kalt wurde. Der Jaguar blickte ihm unverwandt in die Augen. Es gelang
Chakotay nicht, seinen Blick abzuwenden und die Frau anzusehen, aber er wusste
trotzdem, wer sie war. Er hätte sie an ihrem Gang, ihrer Silhuette
unter allen Frauen der Galaxis erkannt... Dann sprach der Jaguar zu ihm: 'Das
Leben und die Liebe sind eins, denn durch das Leben entsteht Liebe und durch
Liebe entsteht Leben. Aber weder das Leben noch die Liebe kann man ohne Risiko
gewinnen und erhalten. Höre auf dein
Herz, es wird dich den richtigen Pfad führen!' Damit wandte sich die schwarze
Raubkatze lautlos zum Gehen. Die Frau, die neben ihm gestanden hatte, drehte
sich auch um und ging. 'Kathryn...?', fragte Chakotay mit zitternder Stimme.
Die Frau verharrte in ihrem Schritt und wandte sich langsam nach ihm um. Ihr
Gesicht war sehr bleich und Chakotay konnte erkennen, dass sie geweint hatte.
Sie streckte ihren Arm nach ihm aus. Chakotay versuchte verzweifelt, sie zu
erreichen, aber sie schien immer weiter entfernt zu sein. „Kathryn! Warte!“,
rief Chakotay verzweifelt und unter Tränen erwachte er aus der Trance. Erschöpft
lies er sich zu Boden sinken und ließ seinem Kummer freien Lauf. Er schwor
sich, sollte Kathryn je wieder vor ihm stehen, er würde sie nicht einfach
wieder gehen lassen. Er schwor sich, um sie zu kämpfen. Der Schwarze Jaguar
hatte ihm diesen Weg gewiesen.
*****
„Doktor an Kes! Ich brauche Sie dringend hier auf der Krankenstation! -
Mister Paris, assistieren Sie mir! Corticalstimulator!
Cardiostimulator!“ Das MHN klappte seinen Tricorder
zusammen und fixierte die Geräte an der Stirn bzw. dem Brustbein seiner
Patientin. „Aktivieren Sie auf mein Kommando beide Geräte!“ „Jetzt!“ Den Körper
des Captains durchfuhr ein Stromstoß, ihre Muskeln zuckten durch das
elektrische Potential, das sich über sie ausbreitete. „Noch nichts!“, rief
Paris, seine Augen nicht vom Kontrollpaneel lassend. „Stellen Sie eine Stufe
höher!“ Der Doktor justierte die Geräte neu. „Jetzt!“ „Schwache Herzaktion.
Keine Gehirnaktivität.“ „20 mg Lectrazin, schnell!“
Tom reichte das Hypospray über die Operationsliege. „Herzfunktion stärker, sie
stabilisiert sich“, kommentierte Tom Paris die Anzeigen.
„Kes“, wandte sich das MHN an die hinzugetretene Ocampa,
„bereiten Sie den Neuralstimulator vor! Vielleicht haben wir damit mehr Erfolg.
Dr. Crusher von der U.S.S. Enterprise hat unserer
Datenbank zufolge dieses Gerät als noch effizienter eingestuft, wobei diese
Aussage nach unseren Daten bislang nicht evidenzbasiert ist.“ „Mister Paris,
behalten sie die Herzfunktion im Auge!“ Der Doktor wandte sich der Installation
des neuen Gerätes zu und stellte die Parameter ein. „Kes, geben Sie Impulse auf
mein Kommando! ......Jetzt! .......Jetzt! ........ Jetzt!“ „ Doktor, ich
registriere schwache Gehirnwellen!“, rief Kes aufgeregt. „Reduzieren Sie die
Energie auf 15%. Geben Sie weiter Stimulationsimpulse!“ Der Doktor applizierte
inzwischen ein Hypospray mit Leporazin. „Bericht,
Mister Paris!“ „Herzfunktion im unteren Normalbereich, Blutdruck 70 zu 40.“ Das
MHN sah eine Weile auf Kes' Konsole und deaktivierte dann den Neuralstimulator.
Er untersuchte Janeway erneut mit einem Tricorder und setzte einen
zufriedene Miene auf.
„Ich werde jetzt ein bioregeneratives Feld um den Captain errichten, um
die körpereigenen Reparaturmechanismen zu unterstützen. Danach werde ich weiter
an einem Mittel für die Reparatur des geschädigten Hirngewebes arbeiten.
Hoffentlich sind meine Daten durch den Energieausfall nicht beschädigt worden.-
Mister Paris, ich komme hier mit Kes jetzt allein zurecht.“
Tom sah dem MHN interessiert noch eine Weile zu.
Der Doktor nahm verschiedene Tests an Janeway vor und tippte unablässig
die Ergebnisse in ein PADD. Dann ging er in sein Labor. „Doc, wie stehen die
Chancen für den Captain?“, unterbrach ihn Paris bei seinen Überlegungen. „Ich
muss die Datenbank weiter nach vergleichbaren Fällen durchsehen. Ich habe schon
den Einsatz des Genitronischen Replikators
in Betracht gezogen, mit dessen Hilfe man nach einem genitronischen Scan der DNA eines
verletzten Organs daraus ein neues, funktionsfähiges Organ replizieren
kann. Außerdem hatte mir Dr. Denara Pel damals zusammen mit dem Viruzid
einige ihrer neuesten Forschungsergebnisse übermittelt. Die
Vidiianer haben ein sehr weit fortgeschrittenes medizinisches Knowhow,
vielleicht kann ich auch aus der Analyse von Dr. Pels
Daten Nützliches erfahren. Lassen Sie mich jetzt in Ruhe arbeiten! Kümmern sich
weiter um die übrigen Patienten und lassen sSie sie
herbringen, Mr. Paris, sonst hat der Captain bald gar keine Chance mehr!
Schließlich bin ich Arzt und kein Zauberer!“
Chakotay konnte keinen Schlaf finden. Er hatte Angst um Kathryn. Wenn er
die Augen schloss, sah er immer wieder ihr bleiches Gesicht auf dem Biobett,
umrahmt von den rotblonden Haaren, vor sich. Er konnte es nicht aushalten.
Bevor sein Dienst begann, musste er noch einmal Kathryn sehen. Auch auf die
Gefahr hin, vom Doktor strafende Blicke und unwirsche Bemerkungen zu ernten,
machte er sich auf den Weg zur Krankenstation.
Aber der Doktor nickte ihm nur kurz zu, als er eintrat, und deutete mit
dem Kopf zu dem Biobett im Quarantäneteil der Krankenstation, bevor er mit
einem Reagenzglas in seinem Büro verschwand.
Janeway lag nicht mehr in der Stasiskammer. Der Doktor hatte sie
umgebettet auf eine Operationsliege. Sie war an ein Blutgasinfusionsgerät angeschlossen.
Hauchdünne Schläuche und Drähte führten in ihren Körper hinein und hinaus um
die einzelnen Organe zu versorgen und ihre Funktionen zu stimulieren und zu
stabilisieren. Über das Display über der Liege huschten aufgezeichnete Kurven
und Zahlenreihe, die von Sensoren aufgezeichnet wurden, die an der Haut
befestigt waren.
Chakotay stand eine Weile regungslos daneben, dann fasste er beinahe
schüchtern ihre Hand. Die Hand war nicht mehr so kalt, wie er sie in Erinnerung
hatte. Er streichelte sie vorsichtig, als hätte er Angst, ihr weh zu tun.
„Kathryn, ich weiß nicht, ob du mich hören kannst, aber du sollst wissen, das
ich so sehr hoffe, dass der Doktor dir helfen kann. Ich werde dich, so oft ich
kann, besuchen“, und flüsternd fügte er hinzu: “Du fehlst mir so sehr. Wach
wieder auf... Tu es für mich! Ich...ich ...liebe dich, Kathryn.“ Mit einer
Fingerspitze strich er über ihre Wange und ließ eine kleine Haarsträhne durch
seine Finger gleiten. Wieder und wieder wanderten er
seine Augen über ihren stillen Körper. Er fühlte sich so hilflos! „Was kann ich
nur jetzt für dich tun? Und was kann ich tun, falls wir je wieder zusammen sein
können?“ Der Schwarze Jaguar tauchte plötzlich vor seinem inneren Auge auf.
Dann hatte er eine Idee. Er hatte ja viel Zeit, wo er nicht mehr mit Kathryn
gemeinsam beim Dinner plaudern konnte. Die wertvollen Erinnerungen ließen
wieder Tränen in Chakotays Augen aufsteigen.
Er musste jetzt zum Dienst auf die Brücke! Der Commander räusperte sich,
trat kurz zum Doktor ins Büro und sagte: „Doktor, halten Sie mich bitte auf dem
Laufenden. Ich bin auf der Brücke.“ „Sie können sich darauf verlassen“, sagte
das MHN ungewohnt sanft, „Ich werde Ihnen Bescheid geben, wenn ich eine
geeignete Therapie für Captain Janeway gefunden habe. Ich hoffe, es wird nicht
zu spät sein.“ Chakotay nickte stumm und verließ die Krankenstation.
Die Alphaschicht, die er sonst meistens mit Janeway versehen hatte,
verlief eintönig. Die Voyager zog ruhig mit Warp 6 dem Alphaquadranten
entgegen. Es war ein relativ Stern armes Gebiet. Die
Scanner zeigten keine Schiffe oder bewohnten Himmelskörper in der Umgebung. Es
hätte so eine schöne Zeit mit Partys auf dem Holodeck sein können. Aber niemand
auf dem Schiff war in Feierstimmung. Sie alle wussten, wieviel
sie ihrem Captain schuldeten. Sie hatte sich immer um jeden Einzelnen gesorgt.
Chakotay stellte sich immer wieder vor, die Tür des Turboliftes würde
sich mit einem Zischen auftun und der Captain forsch wie immer auf die Brücke
treten, das Kinn trotzig-kämpferisch empor strecken und den Platz zu seiner
Rechten einnehmen. Jedes Mal, wenn der Turbolift hielt, hoffte er irrationalerweise auf dieses Wunder.
„Krankenstation an Brücke!“ Chakotay schreckte aus seinen Gedanken auf.
„Chakotay hier. Was gibt es Doktor?“ Er bemühte sich, seine Stimme zur Ruhe zu
zwingen, aber jeder auf der Brücke spürte die Sorge, die aus ihr sprach.
„Commander bitte kommen Sie und Lieutenant Paris auf die Krankenstation!“
„Mister Tuvok, Sie haben die Brücke.“
Der Doktor empfing Sie mit der üblichen Ungeduld auf der Krankenstation.
„Commander, Lieutenant, ich habe eine Therapiemöglichkeit für den Captain
gefunden. Das Gehirn ist ein äußerst kompliziertes, sensibles Organ mit
komplexen Funktionen, wie Sie wissen“, dozierte das MHN. „Die Technik basiert
primär auf einer seit dem 20. Jahrhundert auf der Erde ständig
weiterentwickelten Methode. Aber erst durch die Kombination mit dem Genitronischen Replikator und einer
Methode aus der vidiianischen Medizin
konnte ich das Verfahren entsprechend anpassen. Die Vidiianer haben große
Erfolge auf dem Gebiet der Gewebsrestauration und Reintegrierung
stark geschädigter Gewebe erzielt“, der Doktor musste an Denara
Pel denken und an das gnadenlose Fortschreiten der
Phage-Krankheit bei dieser einst so attraktiven jungen Frau und ergänzte mit
leiser Stimme, „was ihnen selbst aber bedauerlicherweise noch nicht den
Durchbruch bei der Phage-Krankheit brachte.“ Er machte eine kurze Pause und
Chakotay wie auch Tom schwiegen mitfühlend.
„Die Computersimulationen verliefen bisher zufriedenstellend, aber ich
kann nicht für Erfolg garantieren. Ich brauche für die Therapie eine
Knochenmarkspende eines Terraners mit 100% terranischer DNA zur Stammzellgewinnung. Für andere
Experimente ist die Zeit zu knapp. Für den Captain sinken die Heilungschancen
mit jeder Minute. Ich will außerdem kein weiteres Risiko eingehen. Ich habe die
biologischen Spezifikationen aller terranischen
Crewmitglieder mit denen des Captains verglichen. Die Daten von Mister Paris
kommen denen von Captain Janeway am nächsten.“
Das MHN wandte sich an Tom: „Mister Paris, sind Sie einverstanden, sich
der Stammzellentnahme zu unterziehen?“ Ohne zu zögern antwortete Tom Paris:
„Der Captain hat mir damals eine zweite Chance gegeben. Ich wäre froh, wenn ich
ihr jetzt eine zweite Chance geben könnte.“ „Danke, Tom“, sagte Chakotay leise
und Tom legte seine Hand auf seinen Arm: „Schon gut, Commander. Ich hoffe,
meine Zellen nützen dem Captain!“
„Doktor an Kes. Ich brauche Sie wieder auf der Krankenstation! - Commander,
Sie dürfen jetzt gehen. Ich halte Sie auf dem Laufenden.“ „Danke, Doktor.“

*****
Zwei Wochen waren inzwischen vergangen. Die vom Doktor entwickelte
Behandlungsmethode zeigte Erfolg. Während sich der Kreislauf von Captain
Janeway langsam stabilisiert hatte, verlief auch die Regeneration der
verletzten Hirnareale zufriedenstellend. Der Doktor konnte bereits die meisten
der Sonden und Geräte vom Körper der Patientin, die sich weiterhin in einem
künstlich aufrecht erhaltenen Koma befand, entfernen.
Chakotay kam jedes Mal nach Ende seiner Schicht auf der Brücke auf die
Krankenstation und verbrachte seine gesamte Freizeit neben dem Biobett.
Manchmal saß er in Gedanken versunken da, manchmal tippte er stundenlang Daten
in ein PADD, dann wieder sprach er leise zu Janeway. Der Doktor hatte sich
schon fast an seine Anwesenheit gewöhnt und ließ ihn gewähren, solange er ihn
nicht bei der Arbeit störte. Kes musste den Commander regelmäßig erinnern,
seine Mahlzeiten nicht zu vergessen und ausreichend zu schlafen. Die Ocampa spürte mit ihren telepathischen Fähigkeiten, wieviel Chakotay für den Captain empfand und auch, dass er
ihn irgendetwas quälte, getraute sich aber nicht, ihn anzusprechen.
„Kes, sehen Sie hier“, der Doktor hielt ein PADD empor und zeigte mit
einem Stift auf verschiedene Daten, „Ich denke, wir könnten versuchen, den
Captain aufzuwecken.“ „Soll ich den Commander benachrichtigen, Doktor?“ „Nein,
wir wissen nicht, ob unser Versuch Erfolg hat oder ob wir sie wieder zurück ins
Koma versetzen müssen, falls Komplikationen auftreten. Ich möchte jetzt
absolute Ruhe und vor allem keine störenden Fragen medizinischer Laien hören.“
Kes nickte. „Was soll ich tun, Doktor?“ „Geben Sie mir ein Hypospray mit 10 Einheiten Cordrazin
und halten Sie für den Notfall Improvolin zum
Sedieren bereit.“ Der Doktor
applizierte das Hypospray und sie überwachten aufmerksam die Vitalfunktionen
der Patientin.

„Doktor“, begann Kes zögernd, während sie abwarteten, „ich mache mir
Sorgen um Commander Chakotay.“ „So?“ Der Doktor hob eine Augenbraue und
musterte Kes aus den Augenwinkeln ohne sich von seinem Bildschirm abzuwenden.
„Ich kann spüren, dass Chakotay …besondere Gefühle für den Captain hegt.
Gleichzeitig ist da aber noch etwas, was ihn ganz furchtbar quält und
unglücklich macht. Er isst nicht und schläft nicht, wenn ich ihn nicht dazu
auffordere.“ „Hmm. Er macht sich sicherlich Sorgen um
Captain Janeway.“ „Nein, ich glaube...ich weiß...es ist mehr als das.“ „Sie
meinen...?“ Kes nickte. „Commander Chakotay und Captain Janeway sind erwachsene
Leute, Kes. Sie müssen sich selbst mit ihren Gefühlen auseinandersetzen. Bei
Menschen gestaltet sich das häufig recht kompliziert, wie ich beobachtet habe.
Ganz zu schweigen von den Klingonen. Ich denke aber, Sie können jetzt Commander
Chakotay rufen. „Kes an Commander Chakotay!“ „Chakotay hier.“ Die Sorge in der
Stimme des Mannes war nicht zu überhören. „Es ist nichts Schlimmes, Commander“,
sagte Kes schnell, „aber Sie sollten auf die Krankenstation kommen.“ „Bin
unterwegs. Chakotay Ende.“
'Chakotay.......Chakotay......?' Kathryns Gedanken begannen, sich träge
aus der noch müden Hirnsubstanz zu lösen. Sie schluckte. Ihr Hals tat weh, war
so trocken. Sie war so unendlich müde...'Chakotay...' Das Wort kam ihr
irgendwie vertraut vor, aber sie konnte es nicht einordnen, mit keinem Bild
verbinden. Ihre Lippen bewegten sich leicht, um lautlos zu versuchen, das Wort
nachzuformen. Ihre Gedanken rangen um ihr Bewusstsein. Es wollte absolut keine
Klarheit in ihre Gedanken kommen. Sie drehten sich wie im Kreis um sich selbst,
hatten nur verschwommene Formen. Aber eigentlich war ihr auch alles egal, sie
wollte einfach nur schlafen...
Sie hörte gedämpfte Stimmen in ihrer Nähe und fühlte kühles Metall an
ihrem Hals. Dann hörte sie verschiedene Piepgeräusche. Und wieder fiel der Name
'Chakotay'.
Kathryns Gedanken wurden plötzlich klarer. Chakotay! Sie versuchte, die
Augen zu öffnen, aber ihre Lider waren wie aus Blei. Was war mit ihm? War ihm
etwas passiert? Ein Schreck durchfuhr sie. „Doktor, der Blutdruck steigt und
die Neurotransmitterwerte!“ „Improvolin!“ „Die Werte
normalisieren sich wieder.“ „Lassen wir Sie jetzt einfach in Ruhe zu sich
kommen.“
Janeway durchströmte eine entspannte Ruhe. Ihre Anspannung lies nach. Trotzdem wurden ihre Gedanken immer klarer und
tauchten auf wie aus einem Nebel. Chakotay. Jetzt konnte sie sich erinnern. Ihr
Erster Offizier, ihr bester Freund, ihr...nein.....,
daran wollte sie jetzt nicht denken...Chakotay.
Sie konnte sich immer auf seinen ehrlichen Rat und seine Loyalität
verlassen. Oft hatte er sie auch entgegen seinen eigenen Auffassungen vor der
Crew unterstützt. Er tat mehr für sie, als sie es von einem Ersten Offizier
erwarten konnte. Und das von seinem ersten Tag auf der Voyager an. Ihre
Gedanken schweiften ab...
Sie sah Chakotay wieder vor sich, als er ihre Entscheidung zur
Zerstörung der Phalanx des Fürsorgers vorbehaltlos gegenüber den ehemaligen
Maquis unterstützt hatte, wie er sich bemühte, dass alle zu einer
Sternenflottencrew zusammen wuchsen. Auf New Earth hatte er ihr dann seine
Liebe gestanden. Was für unbeschwerte Tage wie ein Teenager-Pärchen hatten sie
danach verlebt... Obwohl sie noch so matt war, spürte Kathryn wieder die
Schmetterlinge in ihrem Bauch, dieses untrügliche heiße Ziehen, das durch den
ganzen Körper fährt. Sie fühlte noch seinen ersten Kuss. Unwillkürlich zuckten
ihre Lippen. Seine Berührungen... Ja, sie hatte Chakotay damals sehr begehrt.
Aber eine innere Stimme hatte sie vor dem Überschreiten der letzten Grenze
abgehalten, sie brauchte dafür noch etwas Zeit. Im Nachhinein gesehen, war es
sicher gut so gewesen. Sonst wäre es ihnen beiden noch schwerer gefallen, in
die Normalität auf dem Schiff mit seinen Starfleetregeln zurückzukehren. Als
die Voyager sich zurückmeldete, um sie mit dem Heilmittel zu versorgen und
abzuholen, hatte sie eindringlich mit Chakotay gesprochen und ihm sanft, aber
bestimmt klar gemacht, dass für einen Sternenflottencaptain,
noch dazu einen weiblichen, eine Liebesbeziehung an Bord unmöglich und
inakzeptabel war. Es hatte so weh getan. Ihr selbst
und noch mehr, es Chakotay zu sagen und seine Enttäuschung und Traurigkeit zu
sehen. Beide hatten sich unter Tränen ein letztes Mal umarmt und ihrem gemeinsamen Heim mit dem kleinen Garten eng
umschlungen
ein letztes Lebewohl gesagt.

Kathryn spürte, wie sich ein Kloß in ihrem Hals bildete und das Atmen
schwer wurde. Eigentlich war sie nie darüber hinweggekommen. Vielleicht war es
auch ein Fehler gewesen, der größte ihres Lebens. Vielleicht hätte sie es wagen
sollen. ...Sie ließ noch einmal die Erinnerungen vorbeiziehen... Damals....
...Chakotay lächelte. New Earth. Er hatte sich diese schöne Geschichte
vom Krieger und der Kriegerin ausgedacht. Für sie. Sie hielten ihre Hände fest
ineinander geschlungen, er lies sie nicht die ihre zurückziehen.

Ganz langsam stand er auf, sie mit sich ziehend. Schritt für Schritt
ging er mit ihr zum Ende des Tisches, in ihre meerblauen Augen versunken, in
denen noch Tränen der Rührung und des Glücks glitzerten. Am Ende des Tisches
dann war keine Barriere mehr zwischen ihnen. Sie hatte längst den Halt in
seinen dunkelbraunen Augen verloren. Chakotay zog sie mit der Hand, die noch
die ihrige festhielt, langsam an sich heran. Kathryn wollte schwachen Protest
einlegen, aber er hob seine Hand und legte sie zärtlich um ihren Nacken. Sie
schloss die Augen, als ein Ozean an Gefühlen über sie hinweg brandete. Sie
legte ihre freie Hand auf seine Hüfte. Über Chakotays Körper lief ein leichtes
Zittern. Sie spürte seine Erregung wachsen. Seine Hand glitt von ihrem Nacken
abwärts zu ihrer Taille und drückte ihren Körper fest an sich...

Kathryn seufzte und erschauerte bei diesen Erinnerungen... Sie lies sich
ganz auf der Welle des Glücks davontragen. Wie in einen Strudel wurde sie immer
tiefer und tiefer hinein gesogen. Unter seinen zärtlichen Berührungen und
Küssen hörte die Welt um sie herum auf zu existieren...
Ihr offenes Haar kitzelte ihr Gesicht, sie hob langsam und mühevoll die
Hand, um es beiseite zu streichen. Aber anstelle ihres Haares ergriffen ihre
Finger an ihrer Wange plötzlich etwas Warmes, Festes... es war nicht ihr Haar,
es war eine andere Hand, die ihre Wange streichelte! Erschrocken und unfähig zu
atmen fuhr Kathryn zusammen, blinzelte und blickte wenige Zentimeter über sich
in ein paar lächelnde dunkelbraune Augen... vertraute Augen. Sie spürte ihr
Herz bis zum Hals schlagen. 'Ich muss wohl wieder eingeschlafen sein!', dachte
sie überrascht und versuchte verwirrt sich aufzurichten. Eine große, warme Hand
hielt sie sanft an der Schulter zurück.
Sie wollte etwas sagen, aber es ging nicht, die Stimmbänder versagten
ihr noch den Dienst. Die Augen fielen ihr wieder zu vor Anstrengung. Die
Muskeln konnten die Spannung des Körpers nicht länger halten und sie sank
wieder ganz auf die Liege zurück. Sie versuchte wieder ihn anzusehen, versuchte
ein Lächeln. Er streichelte wieder ihre Wange. „Kathryn...ich habe solche Angst
um Dich gehabt!“, sagte er kaum hörbar und seine Lippen berührten ihre Stirn.
Sie lächelte schwach als Antwort....und sie war so
unglaublich glücklich!
'Verdammt', dachte Kathryn plötzlich, 'was ist nur los mit mir!' Sie
rang um Fassung. Panik wallte in ihr auf. Hatte sie denn jetzt ganz den
Verstand verloren?
Sie hoffte, Chakotay würde ihre Verwirrung nicht spüren. Chakotay
musterte Kathryn. Ihr leises, glückliches Lächeln und die freudige Rötung ihres
noch so blassen Gesichtes waren ihm keineswegs entgangen.

Nach langer Zeit ging Chakotay endlich wieder froh zum Dienst auf die
Brücke. Zwar saß Kathryn für die nächsten Wochen noch nicht wieder neben ihm,
aber er konnte sie wieder jeden Tag sehen und oft auch mit ihr reden. Zunächst
immer nur für kurze Besuchszeiten auf der Krankenstation. Er berichtete ihr
täglich über die Geschehnisse auf ihrem Schiff. Manchmal schlief sie auch
gerade, wenn er kam. Dann setzte er sich einfach an ihr Bett und sah sie an. Ab
und zu lächelte sie im Schlaf, manchmal schien sie auch etwas sehr zu bewegen.
Dann murmelte sie im Traum und ihr Gesicht sah sehr ernst, ja traurig aus.
Manchmal schluchzte sie sogar leise. Auch seinen Namen hörte er immer
wieder. Diese Träume machten ihm große Sorgen. Erinnerten sie ihn doch an die
Zeit, als er Kathryn bewusstlos aufgefunden hatte.

Nach einigen Tagen aber durfte sie in ihr Quartier zurückkehren und
konnte er ihr endlich von allem in Ruhe und allein erzählen, was geschehen war,
seit sie wegen des Implantates bewusstlos geworden und nicht wieder aufgewacht
war. Chakotay erlebte beim Erzählen alles noch einmal von vorn und Kathryn sah
bewegt, wie Tränen in seinen Augen glitzerten. Es fiel ihr verdammt schwer, ihn
nicht zum Trost in die Arme zu nehmen! ...oder sich an seine Brust zu lehnen.
Ihr fiel alles wieder ein. Ihr Alptraum von Chakotays Tod, ihre
Erinnerungen an die Zeit auf New Earth, die sie lange Zeit so sehr sorgfältig
verdrängt hatte, die nun aber auf der Krankenstation überdeutlich vor ihren
Augen aufgestiegen waren. Kathryn war so tief in ihre Gedanken
versunken, dass sie die Tränen gar nicht spürte, die über ihre Wangen liefen
und sie ihre Schultern hängen ließ. Wie ein Häuflein Unglück saß sie da.
Chakotay, der sie aufmerksam und wegen der vergangenen Vorfälle nicht
ohne Sorge beobachtet hatte,
fragte erschrocken: „Kathryn, was ist mit Ihnen? Habe ich etwas Falsches
gesagt? Oder geht es Ihnen nicht gut?“ Janeway fuhr aus ihren Gedanken auf,
wischte sich hektisch über das Gesicht. Wie konnte sie sich nur so gehen lassen
in Chakotays Gegenwart? „Nein, es ist gar nichts. Ich glaube, ich bin einfach
müde und erschöpft. Aber Ihr Bericht über die Arbeit der Crew hat mich sehr
bewegt. Danken Sie der Crew bitte nochmal in meinem Namen. Am besten, Sie gehen
jetzt. Ich möchte zu Bett gehen.“ Damit wollte sie sich von ihrer Couch
erheben.
Chakotay entging Kathryns jähes Ausweichmanöver nicht. Sie war sonst
immer direkt, sagte, was sie dachte, ohne zu große Rücksicht auf die Gefühle
des Gegenübers zu nehmen. Kathryn bemerkte Chakotays durchdringenden Blick.
Ihre Augen trafen sich. „Kathryn...sagen Sie mir...bitte...die Wahrheit...was hatten Sie für eine Begegnung mit den Chalax?
Warum mussten Sie wieder versuchen, alles allein durchzustehen?“ Chakotay legte
sanft seine Hand auf Ihre Schulter. Er
hätte sie gern nach diesem Traum damals gefragt, der ihr soviel Schmerzen
bereitet hatte, entschied sich aber instinktiv dagegen. Seine Berührung schien glühende Wellen durch ihren
Körper zu senden. Kathryn konnte nicht mehr seinem Blick standhalten. Ihre
Augen wanderten hektisch zu ihren Füßen und wieder zurück.
Schnell stand sie auf, entwand sich seiner Hand, die noch immer ruhig
auf ihrer Schulter lag, atmete tief durch und erzählte ihm alles über die
Abmachung mit den Chalax. Dann fielen ihr erneut ihre
Träume ein, Sie schienen sie regelrecht zu verfolgen! Eine leichte Röte
überflog ihr Gesicht. „Ich glaube, jetzt sollten Sie wirklich gehen. Mir geht
es gut. Ich bin müde.“
„Eigentlich wollte ich Sie für übermorgen zum Essen einladen, Kathryn.
Ich habe etwas dienstfrei. Lieutenant Paris wird in der Zeit die
Alpha-Schicht haben“, sagte er mit einem Lächeln. 'Wie konnte ich das nur
vergessen, Chakotay hatte es mir doch gestern berichtet. Ich muss mich wieder
besser auf meine Pflichten konzentrieren!', dachte sie verärgert über ihre
Schwäche. „...doch wieder einmal zusammen
Dinner haben“, hörte sie Chakotay weiter sprechen, „Treffen wir uns übermorgen
um 20:00 Uhr auf Holodeck 2? Dann können Sie sich die nächsten Tage darauf
einrichten und sich noch etwas erholen bis dahin.“ „Auf dem Holodeck ...
essen?“, entgegnete Kathryn erstaunt, „Chakotay...was...warum...?“
„Lassen Sie sich doch einfach mal überraschen, Kathryn! Versuchen Sie
nicht immer, alles unter Kontrolle zu haben. Wissen Sie noch...wie neugierig
Sie damals waren, als ich Ihnen die Badewanne gebaut habe? Aber ich habe Sie
zappeln lassen! Und ich verrate jetzt auch nichts vorher!“ Kathryn spürte, wie
die schmerzlichen Erinnerungen Tränen in ihr aufsteigen ließen und wandte sich
schnell zum Fenster. „Also, Commander, 20:00 Uhr Holodeck 2.“, sagte sie betont
sachlich während er auf ihre Antwort wartete und bemühte sich, ein Zittern
ihrer Stimme zu unterdrücken....
*****
Als Chakotay gegangen war, ließ sie sich wie benommen auf ihre Couch
sinken. Ganz weich waren ihr die Knie geworden! Das durfte einfach nicht sein.
Sie musste sich mehr ihrem mentalen Training widmen, um ihr seelisches
Gleichgewicht wieder zu erlangen. Aber ihre Gedanken kehrten immer wieder zu
Chakotay zurück. Seine Augen...sein Lächeln und seine rührende Fürsorge... Wie
in Trance begann sie sich auszuziehen und zu duschen. Dabei überlegte sie, was
sie übermorgen wohl anziehen sollte und schaute in ihren Schrank. Schade, dass
sie nicht wusste, was sie auf dem Holodeck erwartete. Ihre Augen fielen auf das
blaue Kleid, dass Chakotay so an ihr mochte. Es hätte das Blau ihrer Augen,
hatte er damals zu ihr gesagt. Sie wusste zu gut, dass sie diesen Gedanken
keinen Raum geben durfte. Es war wohl am besten, wenn sie in Uniform zu ihrem
Dinner kam...oder vielleicht nur im grauen Rolli, das war nicht ganz so
förmlich.
Unterdessen saß Chakotay seinem
Quartier. Er zergrübelte sich den Kopf, was Kathryn wohl in ihrem Innern
bewegte. Etwas, dass ihr offensichtlich sehr zu Herzen ging. Etwas, was Sie
sehr beschäftigte und ganz offensichtlich immer wieder vom Tasgesgeschehen
ablenkte. Hatte es mit ihm zu tun? Oder war es noch eine Folge des Implantates?
Ihr Gemurmel und ihr flehendes Bitten ...und vor allem ihr Geständnis während
ihrer Bewusstlosigkeit konnte er nicht vergessen.
Dann musste er wieder daran denken, als er die schlafende Kathryn auf
der Krankenstation beobachtet hatte. Er konnte sich nicht satt sehen an ihr.
Schon auf New Earth hatte er sie gern im Schlaf beobachtet. Heimlich hatte er
nachts, wenn er nicht schlafen konnte, am Eingang zu ihrer Schlafnische
gestanden. Wenn die Monde von New Earth durch das Fenster hereinschienen,
wirkte sie mit der silbrig schimmernden Haut wie eine Elfe. Besonders, wenn sie
im Schlaf lächelte und rote Wangen bekam...oh ja er liebte sie immer noch so
sehr. Seine Kathryn. Schließlich konnte er auch nicht widerstehen, ihr Haar
vorsichtig zu küssen und ihre Wange zu streicheln, was ihr kleine, verträumte
Seufzer entlockte. Er fühlte ihre Wärme. Am liebsten...aber daran war nicht im
Geringsten zu denken! Nicht mehr, seit sie zurück an Bord waren. Wie wäre es
wohl auf New Earth geworden? Jetzt hatte
Kathryn sich wieder in etwas wie eine uneinnehmbare, wehrhafte Festung
verwandelt. Sie hielt ihn bewusst auf Distanz.
Chakotay raffte sich auf, als sein Blick auf den Chronometer fiel. Er
nahm sein Medizinbündel zur Hand, legte es dann aber wieder beiseite. Er hatte
alles getan, wozu der Schwarze Jaguar ihn aufgefordert hatte.
*****
Chakotay wählte die Hose und das Hemd aus, dass er auf New Earth so oft getragen und als
Erinnerung an ihre gemeinsame Zeit aufbewahrt hatte, weil Kathryn diese Sachen
so gern mochte. Rechtzeitig ging er auf das Holodeck, um alles vorzubereiten,
bevor Kathryn eintraf.
Diskret belegte er die Tür mit einer Sicherheitssperre, so dass nur über
den Kommunikator mit den Holodeckbesuchern Kontakt
aufgenommen werden konnte und kein ungebetener Gast stören würde. Nur auf
Kathryns Codeeingabe hin würde sich die Tür öffnen.
Kathryn hatte sich einen grauen Rolli mit den vier kleinen goldenen
Rangabzeichen angezogen. Sie drehte sich kurz vor dem Spiegel und
steckte dabei ihr üppiges rotblondes Haar wieder zum straffen Knoten auf.
Sie sprühte sich noch ein paar Tropfen Parfum an ihren Hals und auf ihr
Haar. Dann schaute sie noch einmal in den Spiegel. Ein strenger Captain eines
Föderationsraumschiffs sah sie an. Einer, der weder die Kazon, noch die
Vidiianer oder die Akritirianer fürchtete.
„Verdammt!“, fluchte Janeway laut. 'Aber ich habe Angst vor Chakotay, wie er
mich ansieht und wenn er mich so … so zärtlich berührt!' Nun war es heraus. Das
erste Mal hatte sie sich das eingestanden. „Verdammt, was soll ich bloß tun?“
Janeway schlug mit der flachen Hand gegen den Spiegel. Tränen der Verzweiflung
drohten in ihr aufzusteigen. Wenn sie doch nur jemanden hätte, dem sie ihr Herz ausschütten und der ihr einen
Rat geben könnte.
Vor lauter Angst hatte sie sich wie zum Essen bei Neelix in der Messe
angezogen. Nicht wie zu einem Rende... , sie verbesserte sich schnell:
einer privaten Dinnereinladung auf dem
Holodeck.
Wütend über ihre Unsicherheit riss sie sich den Rolli wieder vom Leib
und feuerte ihn auf den Boden. Dann
musterte sie sich wieder finster im Spiegel. Plötzlich musste sie über sich
lachen. So – in Unterwäsche - konnte sie nun wirklich nicht gehen und der Chronometer
zeigte inzwischen schon
20:15 Uhr. Hastig lief sie in ihr Schlafzimmer und streifte sich im Gehen das blaue Kleid über.
Sie vergaß ganz, dass sich ihre Haare dabei etwas gelöst hatten und verließ
eilig ihr Quartier. Janeway ging schnell und sich wiederholt um blickend zum
Holodeck 2.
Chakotay hatte seit 20:00 Uhr wiederholt auf seine Armbanduhr gesehen.
Er konnte es kaum erwarten, dass Kathryn endlich kam. In den Wochen ihrer
Genesung hatte er so viel Arbeit aufgewendet, um sie hier überraschen zu
können. Endlich wollte er sie mal wieder glücklich lächeln sehen, und das nicht
nur, wenn sie schlief und ….ja was eigentlich?...träumte.
Inzwischen war es 20:15 Uhr geworden, dann 20:30 Uhr. Kathryn kam nicht.
Hatte sich nicht einmal abgemeldet. Ging es ihr nicht so gut oder mochte sie vielleicht
gar nicht kommen? Oder hatte sie es vergessen? Sie war ja gerade in der letzten
Zeit nicht so richtig bei der Sache gewesen und konnte sich schwer auf die
Schiffsbelange konzentrieren. Hoffentlich waren das doch keine Folgen ihrer
Verletzung und dann noch der Zeit, als sie klinisch tot war. Er wusste, dass
sie darunter furchtbar leiden würde. Ihre Arbeit und ihr Schiff gingen ihr über
alles. Auch über ihn? Ja, auch über ihn,
musste sich Chakotay eingestehen.
Gerade wollte er resigniert das Programm beenden und in sein Quartier
zurückkehren, als der Türsensor leise Alarm gab.

Die Computerstimme verlangte Janeways Autorisation, bevor sie eintreten
konnte.
'Wieso Chakotay wohl die Tür für „Fremde“ verriegelt hat?'
Eine merkwürdige Spannung machte sich in ihr breit. 'Was hatte das zu bedeuten?
Sollte sie wirklich eintreten? Aber die Tür öffnete sich schon mit einem
Zischen. Es war zu spät umzukehren. Sie betrat das Holodeck. Hinter ihr schloss
sich die Tür wieder. Kathryn schien die Sonne mitten ins Gesicht. Blinzelnd
suchte sie sich an die ungewohnte Helligkeit zu gewöhnen und um sich zu
schauen. Langsam wurde die Umgebung für sie erkennbar. Ihr stockte der Atem.
Kathryn traute ihren Augen nicht. Sie stand da wie
angewurzelt. Das was sie sah, war einfach zu überwältigend. Sie stand auf New
Earth.
Die graue Notbehausung direkt vor ihr, rechts der von ihr
angelegte kleine Garten, dessen talaxianische Tomaten
gerade reif geworden waren, links ein paar Meter davor „ihre“ Badewanne unter
den Bäumen und aus weiter Ferne konnte sie das Rauschen des Flusses hören. Der
Duft von frischem Holz und blühenden Blumen lag in der Luft.
Ein warmes Gefühl stieg in ihr auf. Sie hätte nie gedacht,
dass es diesen Ort, an dem sie sich so zufrieden und wohl gefühlt hatte, noch
einmal hier an Bord der Voyager geben würde.
Ganz in Gedanken versunken merkte sie gar nicht, wie
Chakotay aus der Hütte auf sie zu kam.
Er sah ihr blaues Kleid und dass ihre Haare entgegen der
üblichen Frisur etwas gelöst waren und einzelne Strähnen ihr Gesicht
umspielten. Sie sah verdammt schön aus, stellte er atemlos fest.
„Guten Abend, Kathryn! Schön, dass du gekommen bist!“ Er
benutzte absichtlich das „Du“, da Kathryn ihn damals auf New Earth explizit
darum gebeten hatte. Außerdem wusste er, dass der Captain in seiner Freizeit
die Rangabzeichen ablegte und wie ein „normaler“ Mensch behandelt werden
wollte.
Als er neben ihr stand, bot er ihr seinen ausgestreckten Arm
an. Kathryn hakte sich, wie in Trance, ein. Sie war immer noch begeistert von
der Authentizität dieses Holodeckprogramms.
„Oh Chakotay, es ist wunderschön. Wieso haben sie gerade
jetzt dieses Programm erschaffen?“
„Naja, ich dachte mir, wir sollten hier unseren Jahrestag
feiern.“ „Jahrestag?“ „Ja, genau vor zwei Jahren hatten wir auf New Earth unser
neues -gemeinsames- Leben begonnen. Ich denke, dass sollte gefeiert werden.
'Außerdem möchte ich dich nach all den Strapazen der letzten Tage mal wieder
glücklich und befreit sehen und mir dir allein zusammensein',
fügte er in Gedanken hinzu. „Komm, lass uns ins Haus gehen, ich hab uns etwas
Leckeres gekocht. Der erste Gang wird Tomatensuppe sein...“.
Mit diesen Worten gingen sie gemeinsam in ihre Hütte.
Chakotay nahm Kathryns Kommunikator ab, seine Hand berührte dabei leicht ihre
Brust. Kathryn zuckte unmerklich zusammen. Auf ihren verwunderten und
erstaunten Blick hin erwiderte er nur: „Vertrau mir einfach. Dein Schiff wird
Dich jetzt nicht brauchen. Es ist alles geregelt. Tuvok habe ich für die
Beta-Schicht und Harry für die Gamma-Schicht das Kommando übergeben. Und zur
Not sind wir immer noch über das Notfall-Commsystem
des Holodecks erreichbar.“ Mit diesen Worten ging er voraus in die Unterkunft
und legte das Commgerät auf eine Ablage an der Wand,
so wie sie es damals auf New Earth getan hatten.

„Chakotay...ich...“ Chakotay hatte das Haus innen mit Kerzen
und roten Rosen, Kathryns Lieblingsblumen dekoriert. Der Tisch war festlich für
sie beide gedeckt, so, wie sie es immer in ihrem Quartier tat, wenn Chakotay
zum Dinner kam. „Ich dachte, ich könnte mich einmal für deine Gastfreundschaft
revanchieren“, sagte Chakotay in die peinliche Stille. „Setz dich, Kathryn,
hier auf Deinen angestammten Platz“. Kathryn stand noch immer unbeweglich und
sprachlos auf der Schwelle. Er nahm zärtlich ihren Arm und führte sie zum
Tisch. Langsam lies er seine Hand an ihrem unbedeckten Arm aufwärts wandern und
drückte sanft ihre Schulter, damit sie sich endlich setzen würde. Seine
Zärtlichkeit lies Kathryn die Augen schließen und ihren Kopf nach hinten
neigen, Chakotay spürte, wie seine Berührung eine Gänsehaut bei ihr hinterließ.
Hinter ihr stehend konnte er, wie damals, nicht nur ihren Duft tief in sich
aufnehmen, er konnte auch die runde Form ihrer Brüste sehen und ihre
Brustwarzen, die sich unter dem leichten Stoff abzeichneten. Er musste tief
durch atmen und seinerseits schnell die Augen schließen, denn schließlich hatte
er sie ja zum Essen eingeladen. Ob sie wusste, welche Wirkung sie immer noch
auf ihn hatte? Er musste sich jetzt zusammen reißen und vor allem seinen Körper
unter Kontrolle behalten, der begonnen hatte, auf Kathryn zu reagieren. Sein
Hals und sein Mund waren plötzlich wie ausgetrocknet. Er befürchtete, kein Wort
mehr herauszubringen.
Kathryn schreckte zusammen, als Chakotay hörbar ein- und
wieder ausatmete. Noch ganz verwirrt über ihre plötzlichen Gefühle hörte sie
ihn mit seltsam rauer Stimme sagen: „Kathryn...also...ich werde dann die Suppe
holen“. Als Kathryn sich erstaunt um wandte, hatte ihr Chakotay schon den
Rücken zugekehrt und hantierte am Herd. „Ich mag es sehr, wenn du für uns
kochst“, sagte sie mit ebenfalls belegter Stimme und beobachtete ihn. Er war
ihr so vertraut... sie fühlte sich sicher und geborgen in seiner Gegenwart. Ja,
sie hätte gern ihr Leben mit ihm hier verbracht... bis die Voyager sie wieder
in die Realität des Sternenflottencaptains
zurückholte.
Chakotay unterbrach ihre Gedanken, als er mit den Tellern an
den Tisch kam. „Lass es dir schmecken“, sagte er betont belanglos, als er sich
ihr gegenüber niederließ. Sie versuchten sich über diesen oder jenen Klatsch an
Bord zu unterhalten, aber die Spannung, die in der Luft zwischen ihnen
prickelte, ließ ihre Unterhaltung nicht recht in Gang kommen.
„Kathryn, ich habe nach dem Essen noch eine Überraschung für
dich“, sagte Chakotay schließlich. Er wollte es eigentlich noch etwas für sich
behalten, aber er hoffte, diese Ankündigung würde die beklommene Stimmung etwas
auflockern.
„Eine Überraschung? Was könnten Sie hier noch für eine
Überraschung für mich haben, noch eine Überraschung nach dieser hier? Was ist
es denn?“ Begeistert und mit leuchtenden Augen sah Kathryn auf. Ja, so liebte
er sie besonders, wenn sie vor Neugier und Ungeduld platzen könnte! Sie wollte
gleich aufspringen und Chakotay musste sie lachend zurückhalten. Endlich war
das Eis gebrochen. Die Worte über ihre gemeinsamen Erinnerungen auf New Earth
sprudelten aus ihnen hervor, wobei sie sorgfältig vermieden, darüber zu
sprechen, was damals zwischen Ihnen geschehen war. Als eine kurze Pause
entstanden war und keinem von beiden ein neues belangloses Thema einfiel,
trafen sich plötzlich ihre Augen und jeder sah tief in die Seele des anderen.
Kathryn spürte, wie sich ihr Herz
zusammen zog und Chakotay sah wie sie gewaltsam ihren Blick abwendete und
verlegen auf ihre Hand starrte, die ihr
Glas noch am Fuß hielt. Langsam streckte er seinen Arm aus und legte seine
warme Hand auf ihre.

Sie schaute kurz auf und Chakotay sah, wie kleine
Tränensterne in ihren Augen blitzten und eine tiefe Traurigkeit sich über ihre
Gesichtszüge gebreitet hatte. Es brach ihm fast das Herz. „Kathryn...“, sagte
er fast tonlos, seine eigene Stimme klang fremd für ihn. Wie gerne hätte er sie
einfach in die Arme geschlossen und.... Aber er wusste, er konnte sehr leicht
alles zwischen Ihnen zerstören. Kathryn musste ganz allein zu sich selbst, zu
ihnen finden. „...wolltest du nicht die Überraschung sehen?“, fragte er leise.
Kathryn lächelte , nickte und blinzelte die
Feuchtigkeit aus ihren Augen.
Chakotay kam um den Tisch herum, um ihr seinen Arm anzubieten.
Er führte sie langsam den Weg in den Wald hinein.
Zuerst hing ein jeder schweigend seinen Gedanken nach, aber die Beobachtungen
der Tiere und die Schönheit der Landschaft lies sie bald ihr unbeschwertes
Geplauder wieder aufnehmen. Chakotay seufzte innerlich erleichtert, dass diese
bedrückende Stille vorbei war. Er liebte Kathryn besonders, wenn sie voller
Überschwang und Tatendrang war.
Als sie einen Teil des Weges zurückgelegt hatten, sagte
Chakotay: „Jetzt muss ich dir aber die Augen verbinden, denn sonst merkst du ja
zu früh, wohin wir gehen.“ Wieder lachend lies sie es
mit sich geschehen und er drehte sie mehrmals um ihre eigene Achse, damit sie
die Orientierung verlieren sollte. Er musste sie zum Schluss mit seinen
kräftigen Armen auffangen, als sie dabei strauchelte. „Nun Chakotay, ich hoffe
nicht, dass das Dasjenige war, was du bezwecken wolltest!“, rief sie fröhlich
in die Richtung in der sie ihn vermutete. Chakotay hakte sie unter, wobei seine
freie Hand ihre hielt, die auf seinem Arm ruhte, und ausgelassen machten sie
sich auf den Weg, den Chakotay jetzt zum Fluss einschlug. Streckenweise musste
er Kathryn tragen, damit sie in dem urwaldähnlichen Gelände nicht fiel. Es
entging ihm dabei nicht, wie sie sich mehr als nötig an ihn schmiegte. Ihre
Haare kitzelten seine Wange und seinen Hals. Er fühlte jede ihrer Konturen und
das Vor- und Zurückschwingen ihres Körpers beim Tragen raubt ihm fast den
Verstand. 'Weiß sie eigentlich, was sie da tut ,
dachte er halb amüsiert, halb erwartungsvoll. Er musste mit sich kämpfen, den
Weg wie geplant fortzusetzen. Ihm wurde bewusst, wie lange und wie sehr auch er
dieses Glücksgefühl entbehrt hatte und wie sehr er sie begehrte.
Endlich sah er das Wasser durch die Bäume glitzern. „Ich
höre den Fluss...“, sagte Kathryn gerade, als er ihr auch schon die Augenbinde
abnahm. Vor ihren Füßen lag unter den Uferbäumen ein kleines, elegant
geschwungenes Ruderboot.
„Oh Chakotay, du hast...das ist ja unser Boot....ich...du....“ überwältigt lehnte sich Kathryn an
Chakotays Brust, der direkt hinter ihr stand und noch die Augenbinde in der
Hand hielt.
Er lies die Augenbinde achtlos zu Boden gleiten und fasste
sie zärtlich bei den Schultern.

„Komm, lass uns eine Probefahrt machen!“, sagte Kathryn
schnell als sie merkte, wie seine Berührung ein Feuer in ihrem Körper entfachte
und entschlüpfe ihm geschickt. Sie bemerkte jetzt sehr wohl, warum sie vor
Chakotay diese Angst hatte.
Chakotay setzte einen Fuß in das kleine Ruderboot. Sein
anderer Fuß blieb an Land stehen, er reichte Kathryn seine Hand und geleitete
sie sicher in das wackelnde Boot. Kathryn setzte sich auf die Holzplanken im
Heck, Chakotay stupste das Boot mit dem Fuß von Land weg und nahm mit einem
kleinen Schwung ihr gegenüber in der Mitte Platz. Das Boot war klein, es bot
gerade genug Platz für sie beide und so berührten sich ihre Knie ganz leicht.
Chakotay zündete eine kleine Laterne an und stellte sie in den Bug. Inzwischen
war die Sonne untergegangen.
Mit langsamen Ruderbewegungen trieb Chakotay das Boot
flussabwärts in die Nacht.
Es war leise geworden im Wald, nur ein paar Grillen zirpten
und aus weiter Ferne konnte man Frösche quaken hören.
Kathryn sah in den Himmel. Hunderte Sterne leuchteten am
wolkenlosen Firmament.
Er beobachtete sie, folgte ihrem Blick. Sah kurz drauf
wieder in ihr Gesicht. 'Ihre Augen glänzen noch mehr als die Sterne am Himmel!
Sie scheint endlich glücklich und zufrieden zu sein.' Fast vergaß er das
Rudern, so gefesselt war er von ihrem Anblick.
Kathryn ergriff als erste das Wort „Oh Chakotay, es ist
wunderschön hier. Es bedeutet mir sehr viel, dass du das Boot für mich gebaut
hast. Ich … weiß gar nicht, wie ich meinen Dank und meine Freude in Worte
fassen soll...“ Langsam griff sie nach seiner Hand und drückte sie sanft.
Chakotay legte seine Hand auf ihre und so verharrten sie für einen kurzen
Augenblick. Dabei sahen sie sich tief in die Augen. Der leichte Wind wehte ein
paar Haarsträhnen aus ihrem Zopf in ihr Gesicht. Chakotay fuhr mit seiner
freien Hand langsam an ihrer rechten Wange entlang, um ihr eine Haarsträhne
hinters Ohr zu schieben.
Kathryns Herz machte einen kleinen Hüpfer. So nah waren sie
sich schon lange nicht mehr. Wie sehr hatte sie seine zärtliche Berührung
vermisst und schon fast vergessen, welche Gefühle seine Haut auf ihrer
auslöste... Dazu reichte schon diese kleine Geste aus.
Kathryn fröstelte leicht, doch innerlich glühte sie vor
Erregung. Chakotay sah, wie sie leicht zitterte. „Kathryn, ist dir kalt?“ … Er
fühlte ihre Hand und wartete gar keine Antwort ihrerseits ab, sondern zog
sofort seinen Pullover aus, um ihn ihr über die Schultern zu legen.
Dabei beugte er sich mit seiner Brust so nah an ihr Gesicht,
dass sie sein Aftershave riechen konnte. Wie betörend dieser holzige, männliche
Geruch doch war. Ihre Gedanken schweiften kurz ab... 'Oh Chakotay, was machst
du da nur mit mir?!' Unter dem Pulli trug er nur ein hautenges dunkles Shirt,
seine muskulöse Brust zeichnete sich darunter ab, die kräftigen Arme kamen zum
Vorschein. 'Am liebsten würde ich mich in deine starken Arme legen und alles um
mich herum vergessen, dort für immer verweilen.'
Er setzte sich wieder ihr gegenüber und begann wieder zu
rudern. „Wir sollten lieber umkehren, nicht dass du dich noch erkältest. Wir
können ja am Tag, wenn es wärmer ist, nochmal einen Ausflug mit dem Boot
unternehmen. Sie sprachen während dem Bootstörn nicht viele Worte, doch sie
wussten auch so genau, was der andere dachte.
Am Steg angekommen, stieg als erstes Chakotay aus und
reichte ihr wieder seine Hand. Dabei wackelte das Boot und Kathryn stolperte
direkt in seine Arme.
Er spürte ihre Wärme durch den dünnen Kleiderstoff. Langsam
drehte er sie zu sich herum. Ihre Augen, die die Farben des Flusses und des
Himmels in sich zu vereinen schienen, sahen ihn an, nur wenige Zentimeter von
den seinen, ebenholzschwarzen entfernt. Er wollte im Fluss in ihrer Augen
ertrinken und zugleich im Blau ihres Himmels davonfliegen.... Plötzlich riss
ihn der Strudel seiner Gefühle fort. Er neigte Zentimeter für Zentimeter sein
Gesicht ihr entgegen, das Blau ihrer Augen wurde dunkler kurz bevor sie sie
schloss, ihre Mund zu seinen emporhob und leicht öffnete.

Beinahe scheu berührten sich ihre Lippen, während sie den
Atem anhielten. Kathryn spürte, wie ein heißes Ziehen durch ihre Brust in ihren
Unterleib schoss. Sie lösten sich für wenige Sekunden voneinander, um sich noch
einmal in die Augen zu sehen, um sich zu vergewissern, ob nicht alles nur ein
Traum war. Chakotay hob langsam seine Hände und zog die Haarspangen heraus, die
ihren lockeren Haarknoten hielten. Eine Welle aus rotem Gold flutete über seine
Unterarme. Seine Finger glitten liebkosend durch ihr Haar. Er nahm ihr Gesicht
sanft in beide Hände und Kathryn legte ihre Hände auf seine Hüften. Tief
seufzend zog Chakotay sie an sich heran und küsste sie leidenschaftlich. Ihre
Zungen begegneten sich und seine Hände glitten zärtlich über ihren Hals, ihre Schultern abwärts. Er spürte
die festen seitlichen Rundungen ihrer Brüste, lies seine Hände über ihre Hüften
wandern, ihren Po. Dann presste er sie heftig an seinen Körper, der schon
begonnen hatte, auf sie und ihre zärtlichen Berührungen zu reagieren. Kathryn
seufzte tief, als er begann, ihren Hals zu küssen. Sie gab sich ihm hin,
erwiderte den Druck seines Körpers und wölbte den ihren ihm entgegen.

Er hob ihr Kleid und sie fühlte die Wärme seiner Hände an
der Haut ihrer Schenkel. Sie hatte mit ihren Händen den Weg unter sein Hemd und
seinen Hosenbund gefunden und streichelte seine Brust, seinen Rücken, seine
Hüften. Sie glühten wie im Fieber. Atemlos küssten sie sich hungrig. Als
Chakotay seinen Fuß zurückstellen wollte, um Kathryns Körper zu seinem empor zu
heben, strauchelte er und beide stolperten eng umschlungen, die Hände gefesselt
unter der Kleidung des Anderen, zu Boden. Dann sahen sie sich nach Atem ringend
an, ihre Gesichter rot, die Haare zerzaust, die Kleidung zerknittert und die
Körper halb entblößt. Sie mussten lachen, schmiegten sich dann glücklich
aneinander.

Lachend schubste sie Chakotay, der halb aufgestanden war und
nun vollends das Gleichgewicht verlor, hilfesuchend nach ihr griff und mit ihr gemeinsam ins Wasser plumpste.
Das Wasser war erfrischend kühl und umgab ihre vor Begehren
brennenden Körper. Es war nicht tief. Chakotay stand auf und nahm Kathryn auf
den Arm, er trug die tropfende , zarte Frau wieder an
Land. Dort angekommen verharrten sie und ihre Lippen fanden sich wieder.
Kathryn löste sich nach dem leidenschaftlichen Kuss etwas, Chakotay erlaubte
ihr wieder, sich selbst hin zu stellen. „Wir sollten wohl zur Hütte zurück kehren, und uns was trockenes überziehen...“ Eng
umschlungen machten sie sich auf den Heimweg.
Seine Hand ruhte auf ihrer Schulter, seine Fingerspitzen
berührten leicht die nackte Haut an ihrem Dekolleté und spielten mit ihren
schwingenden, feuchten Haarsträhnen, wenn sie seine Hand streichelten. Die
Erregung dieser leidenschaftlichen Küsse in ihm wollte nicht weichen. Oh wie
sehr wollte er sie ganz spüren. Kathryn ihrerseits hatte den linken Arm um
seine Taille gelegt. Sie konnte seinen starken Körper durch das nasse dünne
Shirt fühlen. Ihre Schritte wurden immer
schneller, keiner konnte mehr seine Vorfreude auf die kommenden Stunden
verbergen.
*****
Als sie die Behausung betraten, stieß Chakotay die Tür mit
dem Fuß hinter sich zu, denn seine Hände waren damit beschäftigt, Kathryns
Körper an sich zu ziehen, dessen Konturen man deutlich durch den nassen Stoff
sehen konnte.
Ihre Gesichter näherten sich abermals... „Kathryn, ich
möchte dich auf keinen Fall bedrängen...“, „Oh, Chakotay, das tust du nicht.
Ich wollte dir schon so lange sagen, wie sehr ich dich liebe! Ich möchte unsere
Zeit nicht mehr vergeuden, ich möchte die Zeit mit dir verbringen, ich möchte
für immer mit dir zusammen sein. Es tut mir so Leid, dass ich dich immer zurück
gestoßen habe, aber die Vorschriften und Mark... Erst jetzt habe ich erkannt, wie wichtig du mir
bist, du bist mein Leben!“
Seine Augen blitzen vor Freude auf, er sah tief in ihre
Augen und erblickte die Aufrichtigkeit, die sie mit diesen Worten
widerspiegelten.
Sie nahm sein Gesicht in ihre schmalen Hände und zog es zu
sich herunter. Ihre Lippen trafen seine, doch diesmal voller Begehren.
Chakotay legte seine Hände auf ihren Rücken, seine Finger
glitten hinab zu ihren festen Rundungen, danach wieder hinauf zum
Reißverschluss ihres blauen Kleides. Langsam, wie in Zeitlupe, öffnete er ihn.
Kathryns Finger wanderten von seinen Wangen hinab an seinem Hals. Langsam
strich sie mit ihren Handflächen über seine starke Brust, dabei huschten ihre
Fingerspitzen über seine Brustwarzen. Durch das nasse Shirt konnte sie sehen,
wie diese sich aufstellten. Ihr Kuss wurde noch leidenschaftlicher, ihre
Zungenspitzen trafen sich, dabei knisterte es in den beiden
Körper, als wären sie elektrisiert. Chakotay hatte ihren Reißverschluss
ganz geöffnet, nun streifte er zärtlich das nasse Kleid von ihren Schultern,
der nasse Stoff viel zu Boden. Kathryn tat es ihm gleich, ihre Hände wanderten
unter sein Shirt und hoben es langsam über seinen Kopf. Sich immer noch küssend
stolperten sie langsam in Richtung Schlafraum.
Dort angekommen drückte Kathryn Chakotay sanft auf das Bett.
Ihre Küsse wanderten am Hals abwärts, langsam über seine Brust hinab zu seinem
Bauchnabel, dabei öffnete sie den Knopf seiner Hose und schob sie langsam nach
unten.

Sie kniete neben ihm und hielt kurz inne, da lag der Mann,
den sie vor 4 Jahren als „Feind“ kennen gelernt hatte, nur mit Boxershorts
bekleidet. Seine bronzefarbene Haut glänzte leicht von der Nässe des Wassers.
Seine Erregung war deutlich durch den dünnen Stoff erkennbar. 'Wie aufregend er
aussieht!'
Er lächelte und genauso, wie sie ihn, betrachtete er voller
Begierde ihren fast entblößten Körper.
Sie trug zarte weiße Spitzenunterwäsche. Der Stoff war durch
die Nässe transparent geworden. Er konnte ihre aufgerichteten Brustwarzen
deutlich erkennen. Sein ganzer Körper prickelte. 'Wie hübsch sie ist!'
Langsam zog er sie zu sich hinab. Ihre Brüste drückten sich
auf seine, ihre Lippen treffen sich wieder. Kathryns Zeigefinger zeichnete die
Linien seines Tattoos nach... Seine Hände glitten abermals ihren Rücken hinab,
vorsichtig öffnete er den Verschluss ihres BH´s und
streifte ihn ab.
Ihre Blicke sprachen tausend Worte, Kathryn stöhnte leise
auf, als seine Hände zärtlich über ihren Busen streichelten.
Mit einem Augenwink bat er Kathryn, sich auf den Bauch zu
legen. Sie sah ihn etwas erstaunt an, doch vertraute ihm zu hundert Prozent...
Langsam begann er ihren Nacken zu massieren... So, wie er es schon damals auf
New Earth getan hat... „Oh, das fühlt sich gut an!“ flüsterte Kathryn atemlos.
Als er sie zärtlich bis hinab zu ihrem Po massierte fühlte Kathryn wie es
zwischen ihren Oberschenkeln zu kribbeln begann. Sie wollte sich zu ihm
umdrehen. Chakotay bemerkte das, als sie sich unter ihm wand, aber er
hielt sie fest und ließ seine Lippen küssend über ihren
Rücken wandern.
Die Küsse wurden fordernder. Die Erregung stieg in Kathryn
auf, dieses Gefühl hatte sie noch nie, es war einmalig, dieser Mann war
einmalig. Sie fühlte sich so geborgen und geliebt.
Chakotay drehte sie endlich auf ihren Rücken. Er küsste
ihren Hals, ihr Dekolleté dann küsste er ihre Brüste, umkreiste mit seiner
Zunge spielerisch ihre Brustwarzen... Kathryn schloss ihre Augen, sie stöhnte
und bäumte sich auf... Seine Küssen wanderten tiefer über ihren flachen Bauch
zu ihrem Bauchnabel. Er

küsste die Innenseite
ihrer Schenkel … Streifte vorsichtig ihr letztes Kleidungsstück ab. Seine
Lippen wanderten zärtlich über den geheimsten Teil ihres Körpers...
Kathryn konnte ihre Erregung kaum noch zurück halten, sie
stöhnte heftiger, ihre Finger krallten sich in seinen Rücken. Chakotay merkte,
dass Kathryn kurz vor dem glücklichsten Moment stand, den er ihr bescheren
konnte. Langsam hielt er inne, ihr Stöhnen erregte ihn unglaublich, er konnte
sich selbst kaum noch zurück halten, als Kathryn sich bei ihm revanchierte...
Sie knabberte leicht an seinen Brustwarzen, ihre flinken Finger streiften auch
ihm sein letztes Kleidungsstück vom Körper... 'Wie fest und warm er sich
anfühlt!'
Mit seinen starken Armen hob er die leichte Frau auf sich.
Sie blickten sich voller Vertrauen tief in die Augen, mit einem sanften Stoß
vereinigten sich beide Körper. Über Chakotays Lippen kam ein Seufzer … Kathryn
schloss ihre Augen und fühlte, wie dieser Mann sie ausfüllte. Es war ein
unbeschreibliches Gefühl des Glücks, nach dem sie beide sich heimlich all die
Jahre gesehnt hatten. Ihr gemeinsamer
Rhythmus war erst langsam, jeder genoss diesen einmaligen
Augenblick der Verbundenheit...
Chakotay hielt sie eng umschlungen und küsste sie
fordernd...er drehte sich langsam mit ihr in seinen
Armen um, sodass
Kathryn unter ihm zu liegen kam. Seine Bewegungen wurden schneller, Kathryn
stöhnte laut auf, „Chakotay!...“ … „Oh Kathryn!...

In einer Welle der Ekstase kamen sie dem Höhepunkt näher...
Chakotay bäumte sich auf... „Kathryn, ich liebe dich!“ Sie umarmte keiner Worte
fähig heftig diesen Mann, den sie so sehr begehrte. Sie hob ihre Schenkel und
umfasste ihn mit den Beinen. Kathryn stöhnte
laut auf, als sie fühlte, wie Chakotay sie immer stärker ausfüllte. Ja,
so fühlte sich pure Verbundenheit an... „Ich liebe dich auch so sehr...!“ Er griff in ihre Haare, küsste sie ekstatisch
und seine Hände glitten über ihren Hals, umrundeten ihre Brüste und griffen
nach ihren Schenkeln. Kathryn spürte glücklich, wie sich seine Wärme in ihrem
Inneren ausbreitete und presste sich an ihn.
Langsam senkte Chakotay den schweißnassen Oberkörper auf sie
herab, sie küssten sich innig. Danach rollte er sich auf die Seite, lies seine
Kathryn dabei aber keinen Moment aus seinen Armen... Sie kuschelte sich an
seine starke Brust. Chakotay zog das dünne Bettlaken über die nackten, noch
immer vereinten Körper. So schliefen sie
eng umschlungen ein.

Kathryn erwachte langsam, weil etwas Schweres auf ihrem
Oberkörper lag, das ihr das Atmen erschwerte und sie am Bewegen hinderte. Ihre
Schulter schmerzte. Schrecken durchfuhr sie. Ihr Herz
schlug ihr bis zum Hals. Geprägt durch ständige Gefahr, plötzliche Angriffe und
Eindringlinge auf ihrem Schiff, verharrte sie instinktiv regungslos und bewegte
fast nur gedanklich ihre Glieder, um die Größe und Gefährlichkeit dieses Etwas
zu erfassen, was sie niederdrückte. Ihr rechter Arm lies sich nicht bewegen.
Nur langsam wurde ihre Gedanken klarer. Kathryn
öffnete langsam die Augen bis zu einem winzigen Spalt zwischen ihren langen
Wimpern. Sie konnte nicht einordnen, wo sie sich befand. Es war Dämmerlicht in
dem Raum. Ihr Quartier war es jedenfalls nicht. Das Etwas auf ihr war groß,
dunkel und schwer. Abrupt riss sie die Augen auf und atmete heftig ein. Auf
ihrer Brust lag ein schwarzhaariger Kopf und ein gebräunter Arm hielt sie fest
umfasst. Da kam
ihr schlagartig alles wieder zu Bewusstsein...New Earth...das
Boot...Chakotay... ihr gemeinsames Glück. Erleichtert ließ Kathryn sich
zurücksinken. Wärme und Zärtlichkeit für Chakotay überwältigten sie. Ihr Herz
wollte überlaufen vor Freude. Er hielt sie auch im Schlaf so fest... Sie konnte
sich nicht beherrschen.
Ihre freie Hand glitt ganz leicht und spielerisch durch sein
zerstrubbeltes, borstiges Haar, tastete nach der ihr
abgewandten Seite des Kopfes, fühlte Ohr, Stirn, ein geschlossenes Auge, die
Wange, seine Lippen. Sie spürte, wie Chakotay dabei erwachte und lächelte.
Als sie den Schwung seiner Lippen tastend nachzeichnete,
fühlte sie, wie er seine Muskeln anspannte. Sein Mund küsste ihre Fingerspitzen
und seine Zunge begann mit ihnen zu spielen. Als Kathryn versuchte, sie zu
greifen, schnappte der Mund nach ihrer Hand. Vor Glück gluckste Kathryn in sich
hinein.

Da stützte Chakotay sich über ihr auf, ihre Blicke trafen
sich. Sie waren sich so vertraut. Vertrauter als je zuvor. 'Warum habe ich mich
nur vor diesem Moment gefürchtet?', dachte Kathryn. Sie ließen ihre Blicke
atemlos über ihre Körper wandern, bevor sich ihre Augen erneut trafen. Sie
verstanden einander ohne Worte. Ihre Körper suchten einander, liebkosend und
fordernd zugleich, und zärtlich vereinigten sich ihre Lippen zu einem
leidenschaftlichen Kuss.
Als Kathryn erwachte, schien die Sonne schon durch die
offene Tür der Schutzhütte hinein. Vögel zwitscherten. Ein warmer Windhauch
strich bis ins Haus hinein. Sie tastete neben sich. Chakotay war nicht da. Sie
zog das Laken um ihren Körper und schloss noch für einen Moment die Augen, lies
sich von all den Erinnerungen der letzten Stunden überfluten. Sie muss wohl
noch einmal eingenickt sein, denn sie kam erst wieder zu sich, als Tropfen auf
ihr Gesicht fielen. Es duftete auch nach... Seit wann regnete es hier in ihr
Bett!? Als sie die Augen aufschlug, saß Chakotay auf ihrer Bettkante und hielt
eine taunasse Rose über ihr Gesicht. Ein Tropfen nach dem anderen fiel auf sie
nieder. Er hatte sich schon geduscht und angekleidet. Er trug Shorts und ein
ärmelloses Shirt, unter dem Kathryn das Spiel seiner Muskeln sehen konnte. Wie
hatte sie diesem Mann nur überhaupt abweisen können.....
Er legte die Blume aus der Hand, küsste sie und hob ihre
zierliche Gestalt mühelos auf seine Arme. Sie schlang ihre Arme um seinen
Nacken. „Das Badewasser ist fertig. Möchtest du nicht noch einmal in deiner
Wanne baden? Heute kommen auch garantiert keine Äffchen, um dich zu beobachten....nur ich“, sagte er lächelnd, während er sie in den
warmen Sonnenschein hinaustrug und sie in das warme Wasser gleiten ließ. „Weißt
du, Kathryn, das ist wirklich deine Wanne und kein
Hologramm. Ich hatte sie heimlich mit hochbeamen lassen mit unserer Ausrüstung
und sie solange im Frachtraum versteckt.“
„Oh Chakotay, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll... Du wusstest doch
gar nicht...“ „Ich habe immer darauf gehofft und hätte bis zum Alphaquadranten
auf dich gewartet, meine einzigartige Kathryn!“
Als sie badete, bereitete Chakotay ihr Frühstück vor und
packte einen Picknickkorb, denn heute wollten sie nun endlich bei Tageslicht
den Fluss erkunden. Er hatte für die Programmierung der Flusslandschaft extra
einzelne Sequenzen aus Kathryns Heimat Indiana und auch von Dorvan V verwendet,
wo er aufgewachsen war. Er freute sich schon darauf, was für Augen Kathryn
machen würde. Er hoffte inständig, dass wenigstens dieses Mal die Voyager und
ihre Crew nicht ihr Paradies stören würden. Er hatte Tuvok ausdrücklich den
Befehl gegeben, sie nur bei Gefahr von Leben und Gesundheit zu kontaktieren. Es
war auch so wichtig für Kathryn, dass ihr Zeit gegeben wurde, zu sich selbst zu
finden.
Kathryn... er lächelte vor sich hin, als er an sie dachte....es tat so gut, sie glücklich zu sehen...und er war so
dankbar für alles, was sie ihm gegeben hatte. Chakotay trat an die offene Tür
und beobachtete, wie sie ihr Bad genoss. Ihre nasse Haut widerspiegelte den
Sonnenschein. Er konnte sich einfach nicht sattsehen an ihr. Sein Lächeln vertiefte sich, als sein Blick
auf das Badehandtuch fiel, das er absichtlich hier im Haus behalten hatte.

Kathryn bemerkte Chakotay erst, als er an die Wanne
herantrat. Er hielt das Badehandtuch für sie auf. Natürlich konnte er darüber
hinwegsehen und eine leichte verlegene Röte überflog ihr Gesicht, was sie nur
noch schöner machte und einen wundervollen Kontrast zu ihren blauen Augen
bildete. 'Kathryn, Du machst mich ganz verrückt...' Sie setzte sich auf den
Wannenrand und Chakotay schlang das Handtuch um ihren schlanken Körper, dann
trug er sie wiederum zurück ins Haus, damit sie sich nicht die Füße schmutzig
zu machen brauchte. Er genoss es, ihren Körper an seinen geschmiegt zu spüren
und er fühlte, dass es Kathryn ebenso ging. Er hoffte so sehr, dass er immer
wieder so spüren könnte...nicht nur hier und jetzt.
Seufzend stellte er sie im Schlafraum zu Boden, küsste sie
auf ihre Schulter und verließ sicherheitshalber fluchtartig den Raum.
*****
Chakotay trug ihre Sachen zum Fluss und machte das Boot
startklar. Als er zurückkam, hatte Kathryn den Frühstücktisch nach draußen
gestellt, so dass sie in der Sonne essen konnten. Ihr Gesicht strahlte. Sie
trug ein kurzes leichtes Sommerkleid derselben blauen Farbe, die er so an ihr
mochte. Die Haare hatte sie nur zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst. So sah
sie beinahe wie ein junges Mädchen aus.
Nach dem Essen gingen sie zum Boot hinunter. Er hatte seinen
Arm um ihre Schulter gelegt, sie ihren um seine Hüfte.
Chakotay half ihr ins Boot, stieß es vom Ufer ab und griff
die Riemen. Mit kraftvollen Zügen trieb er das Boot stromauf voran. Die
Landschaft war atemberaubend, Kathryns Begeisterung machte ihn froh. Es war
inzwischen sehr warm geworden, so dass sie unbefangen einfach ihr Kleid auszog.
Darunter trug sie einen dunkelroten Bikini. Sie sah phantastisch aus. Chakotay
wurde der Hals trocken, eine heiße Welle durchflutete seinen Körper. Er beobachtete sie, wie sie sich über die
Bordwand lehnte und ihren Arm durchs Wasser gleiten ließ. Lose Haarsträhnen
spielten mit dem leichten Wind. Ihr Gesicht im Profil. Es wirkt jetzt so viel
weicher, als ob sie auf der Brücke neben ihm saß. Sie hatte ein Bein zwischen
seine Beine ausgestreckt, um das Gleichgewicht zu halten. Auch Chakotay
streifte sein Shirt ab. Als er weiter ruderte, bewunderte Kathryn das Spiel
seiner Muskeln aus den Augenwinkeln. Sie wagte plötzlich nicht, ihn direkt
anzusehen. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie seine Blicke fühlte.
Chakotay begann, mit seinem Zeh ihr ausgestrecktes Bein vom Fuß an langsam
emporzufahren. Sie bewegte sich nicht. Er sah aber in ihrem Profil, wie sie die
Augen schloss und ihre Lippen sich zu einem Lächeln teilten. Behutsam lenkte er
das Boot auf den Ufersand. Kathryn
wandte sich langsam zu ihm um, hielt seinen Fuß fest, der bis zu ihrem Schenkel
hinauf gewandert war, und lies ihre Hand an seinem Bein zärtlich emporgleiten Unverwandt blickte sie ihm dabei in die
Augen. Als sie bei seiner empfindlichsten Stelle angelangt war, konnte er ihrem
Blick nicht mehr standhalten. Er schloss die Augen und tat einen hörbaren
Atemzug. Dann griff er nach ihrem Arm und zog sie stürmisch auf seinen Schoß.
Er umfasste ihren Nacken und seine Lippen tasteten über ihren Hals, ihr Gesicht
zu ihrem Mund.

Sie öffnete ihre Lippen und ihre Zungen trafen sich
leidenschaftlich. Chakotays Hände glitten abwärts und streiften die Träger
ihres Oberteils zärtlich von den Schultern und sie zog die Arme heraus. Seine
Hände und seine Lippen liebkosten ihre Brüste, ihre harte Brustwarzen. Sie warf
den Kopf zurück und bog sich ihm entgegen, während sie sich an seinen Hüften
festhielt. Seine sanften Hände wanderten weiter abwärts. Er umfasste ihre
Schenkel, presste sie an sich und stieg mit ihr aus dem Boot. Behutsam legte er
sie ins Gras, streifte ihr das Oberteil und den Slip ab und stützte sich neben
ihr auf. Lächelnd tasteten seine Blicke und suchenden Hände über ihren zarten
Körper. Sie hatte die Augen geschlossen. Ihr Atem ging schnell, begleitet von
kleinen Seufzern.
„Chakotay...ich liebe dich“ hauchte sie atemlos. Er konnte
sein Glück kaum fassen. „Ich liebe dich auch, Kathryn. Ich lasse dich nie
wieder gehen.“ Seine Kathryn... Sie blickte zu ihm auf, fuhr mit ihren
Fingerspitzen über sein Tattoo, streichelte sein Gesicht, seine Brust. Auf
seinem Slip verharrte ihre Hand und er streifte ihn ungeduldig ab.
Dann schob sie ein Bein verführerisch lächelnd über seine
Hüfte und er zog sie langsam zu sich heran. Ihre Körper berührte
sich erst zaghaft und tastend, dann fordernder, bis sie vereint einen immer
leidenschaftlicheren Rhythmus der Liebe fanden. „Oh...Chakotay....“ stöhnte Kathryn und er bäumte sich ein letztes Mal
auf, bevor sie erschöpft ins Gras sanken. Glücklich lächelnd sahen sie sich in
die Augen und küssten sich immer wieder, bis die Hitze etwas aus ihnen gewichen
war.
„Wir sollten uns erstmal erfrischen und dann nicht unseren
Picknickkorb vergessen.“ Sie ließen ihre Badesachen unbeachtet. Im Wasser
umarmten und küssten sie sich immer wieder, die Leichtigkeit ihrer Körper
genießend.
Beim Picknick saß Kathryn in Chakotays Schoß und sie schoben
sich gegenseitig die Bissen in den Mund.
Bei der Rückfahrt mit dem Boot kam Kathryn sich so einsam
vor, als sie seine Wärme nicht mehr auf ihrer Haut spürte. Sie kuschelte sich
ins Heck und verfolgte Chakotays Ruderbewegungen.
“Chakotay...ich bin so glücklich...mit dir......Wir hätten
das nicht tun dürfen...Was soll jetzt werden, wenn... wenn...“, wollte sie
hinzufügen, während eine unglaubliche Traurigkeit über ihr eben noch so
strahlendes Gesicht senkte. Aber Chakotay hatte schon die Riemen losgelassen
und war vor ihr zu Boden gesunken. Er erstickte ihre Worte mit einem zärtlichen
Kuss. „Nicht jetzt...Kathryn...lass uns später darüber sprechen...Ich
verspreche dir, es wird alles gut. Ich will dich doch auch nicht wieder
verlieren.“ Aufmunternd lächelte er sie an und griff wieder nach den Riemen.
Kathryn sah die Liebe in seinen Augen und sie versuchte, die traurigen Gedanken
zurück zu drängen.

Am Nachmittag kamen sie wieder in ihrer Hütte an. Nachdem
sie sich geduscht hatten, stand Kathryn gerade mit einem umgeschlungenen
Badetuch vor dem Spiegel und versuchte ihre Haare, die der Wind, das Wasser und
Chakotay zerzaust hatten, durchzubürsten. Chakotay stand nur Shorts in in der Kochnische
und bereitete echten Kaffee für sie beide vor, für die er eine ganze Replikatorration geopfert hatte. „Diesen Geruch liebe
ich...“, schwärmte Kathryn, „aber irgendwie hatte ich ihn heute noch gar nicht
vermisst“, fügte sie mit einem zweideutigen Blick zu Chakotay und einem Schwung
ihres Körpers hinzu. „Möchtest du den Kaffee gleich nochmal vergessen?“, fragte
Chakotay mit verführerischer Stimme halb im Spaß, halb im Ernst und beide
mussten lachen.
Plötzlich zirpte ein Kommunikator. Kathryn schaute ungläubig
und beunruhigt zur Ablage, dann zu Chakotay.
„Tuvok an Captain Janeway und Commander Chakotay.“ Chakotay stand auf
und reichte Kathryn den Kommunikator herüber. Es war wie ein Déjàvu. Er nickte
ihr beruhigend zu. „Janeway hier“. Es schien sehr lange her zu sein, seit sie
Tuvok das letzte Mal gehört und sich als Captain gemeldet hatte. Verwundert
über sich schüttelte sie den Kopf, während Tuvok sprach: „Captain, es ist
schön, Ihre Stimme zu hören. In einer Stunde werden wir uns zu Ihnen beamen.
Tuvok Ende.“ Bevor sie etwas entgegnen konnte, hatte Tuvok schon die Verbindung
unterbrochen. „Chakotay....“, setzte Kathryn mit
fragender Stimme und verzweifeltem Gesichtsausdruck an. Eigentlich wollte sie
hier nie mehr weg. „Kathryn, ich würde
sagen, du musst dich jetzt wohl captainsgemäß
kleiden. Dort im Schrank findest du alles. Ich mache mich schnell nebenan
fertig.“
Kathryn ging zum Schrank und öffnete ihn. Auf den ersten
Blick sah sie, dass dort keine schwarz-rote Uniform lag. Sie nahm das helle,
seidige Kleidungsstück vorsichtig aus dem Schrank, hob die Arme und ließ es
sich entfalten. Sprachlos lies sie sich auf einen Hocker fallen. Ihre Hände
zitterten. Plötzlich konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Die ganze
unglaubliche Spannung der vergangenen Stunden und die Angst vor dem Ende dieses
herrlichen Urlaubs, die sie immer wieder verdrängt hatte, löste sich. Die
Tränen kullerten über ihre Wangen, rollten über ihre Hände und fielen auf
das.....lange weiße Brautkleid. Mit noch immer zitternden Händen zog sie es an
und ging zum Spiegel. Es war wunderschön. Sie steckte sich die Haare locker
auf. Während sie sich noch gedankenversunken vor dem Spiegel prüfend betrachtete
und aufgeregt darüber nachdachte, ob sie Chakotay wohl so gefallen würde und
wie schön das Kleid beim Tanzen schwingen würde, trat Chakotay leise ein. Er
blieb wie angewurzelt und sprachlos vor Bewunderung stehen. Auch Kathryn
schwieg beeindruckt. Er hatte einen schwarzen Anzug an und hielt einen kleinen
Rosenstrauß in der Hand. Langsam wie im Traum gingen sie aufeinander zu und
Chakotay küsste seine schöne Braut noch einmal leidenschaftlich, bevor er ihr
den Brautstrauß übergab, den er im Wirbelsturm der Gefühle, der über sie wieder
herein zu brechen drohte, fast vergessen hätte.

Kaum hatten sie sich schweren Herzens voneinander gelöst,
schimmerte bläuliches Licht von Transporterstrahlen durch die Tür der Hütte.
Sie traten nach draußen. Gerade materialisierten dort ihr Offiziersteam mit
Tuvok an der Spitze, Neelix und Kes. Tuvok zeigte wie immer seinen unbewegten
Gesichtsausdruck, die anderen aber tauschten bewundernde Blicke und B'Elanna
und Kes wischten sich verstohlen über die Augen.
Kathryn hatte sich noch gar nicht gefasst, als Chakotay ihre
Hände nahm, Tuvok zunickte, dicht an sie herantrat und ihr tief in die Augen
sah, so dass ihr ganz heiß wurde. „Kathryn Janeway, möchtest du meine Frau
werden und zu mir halten in guten wie in schlechten Tagen?“ „Ja, Chakotay ich will.“,sagte sie heiser aber
deutlich. „Und du, möchtest du ...mein Mann....“,
Kathryn schluckte, „...werden und zu mir halten in guten und in schlechten
Zeiten?“ „Ja, ich will dich“, sagte Chakotay, der sie nicht aus den Augen ließ.
„Als zur Zeit kommandierender Offizier in Vertretung des Captains der U.S.S.
Voyager erkläre ich Sie, Captain Kathryn Janeway und Commander Chakotay,
hiermit zu Mann und Frau“, sagte Tuvok.
Kes trat zu ihm heran und übergab ihm eine kleine Schachtel
mit zwei goldenen Ringen. Kathryn wurde ganz schwindlig vor Glück und
Aufregung, als Chakotay ihr und sie ihm den Ring an den Finger steckte.
„Tuvok, jetzt...,“ flüsterte Neelix
kaum hörbar und Tuvok sagte dann wobei er eine Augenbraue hochzog, „ Commander,
Sie dürfen die....Braut...jetzt küssen.“
Und Kathryn und Chakotay gaben sich einen langen zärtlichen
Kuss. Alle klatschten begeistert. Danach umringten sie ihre Freunde, sie
lachten und weinten., bis Neelix sagte: „Nun kommen
Sie endlich! In der Messe wartet Ihre Crew und möchte Sie auch
beglückwünschen!“

*****
Seit der Hochzeit auf „New Earth“ waren einige Monate
vergangen. Die Crew genoss die entspannte Stimmung, die seitdem trotz der
Widrigkeiten, die der Delta-Quadrant für sie immer auf's
Neue bereithielt, zwischen dem Kommando-Duo herrschte. Es wirkte sich auf die
gesamte Besatzung positiv und harmonisierend aus.

Chakotay hatte das Programm „New Earth“ nicht gelöscht. Es
war nur für ihn und Kathryn zugänglich und ihre wenige gemeinsame Freizeit
genossen sie ab und zu an diesem Zufluchtsort.
Eines Tages saß Kathryn zusammen mit Chakotay und Tuvok zu
einer Lagebesprechung im Bereitschaftsraum. Nach dem Abarbeiten aller PADDs und
Besprechen der nächsten Aufgaben für die Crew, wechselten sie auch einige
persönliche Worte.
„Tuvok, was ich Sie schon immer fragen wollte: Wie kamen Sie
eigentlich dazu, sich nach „New Earth“ zu beamen, was hat Chakotay da
eigentlich mit Ihnen ausgeheckt oder wessen Plan steckte eigentlich dahinter?
Nach Mr. Paris' Streichen sah es dieses Mal nicht aus“, fragte Kathryn
unvermittelt mit einem schiefen Grinsen. Tuvok lies sich nicht aus der Reserve locken, hob seine rechte Augenbraue und
antwortete: „Captain, als Sie mit der Hirnsonde der Chalax
kontaminiert waren und in Lebensgefahr schwebten, hat sich der Commander sehr
große Sorgen um Sie gemacht“, er warf Chakotay einen kurzen Blick zu, der ihm
durch Kopfnicken sein Einverständnis zum Weitersprechen erlaubte, „..vor allem,
als sie im bewusstlosen Zustand zu ihm gesprochen hatten. Es ging schließlich
um Ihre Sicherheit und Ihr Leben. Da ich ja vor einiger Zeit mit Ihnen eine
vulkanische Gedankenverschmelzung praktiziert hatte, kannte ich zugleich auch
ihre bewussten und unbewussten Ängste. Entschuldigen Sie meine Indiskretion,
Captain, aber mit meiner Hilfe konnte
der Commander die Bedeutung Ihrer Worte verstehen. Das Programm „New Earth“ war
danach nur eine logische Entscheidung von Commander Chakotay. Seiner Bitte, die
Trauung vorzunehmen habe ich gern entsprochen, Captain, denn laut
Sternenflotten-Reglement spricht meinen Recherchen zufolge nichts gegen einen
Captain, der mit einem Crewmitglied verheiratet ist. “ Tuvok sah von Kathryn zu
Chakotay. „Dann entschuldigen Sie mich jetzt bitte, Captain, Commander...“ „Wegtreten,
Commander“, entgegnete Kathryn, „ ...und Tuvok...danke. Ich verzeihe Ihnen Ihre
Indiskretion ausnahmsweise“, fügte sie gerührt und herzlich lächelnd hinzu.
Als Tuvok gegangen war, lehnte sich Kathryn an die Schulter
ihres Mannes, der sich neben sie auf die Couch gesetzt und seinen Arm um sie
gelegt hatte, und blickte zu ihm empor. „So war das also“, schnurrte sie
lächelnd in sein Ohr.

Chakotay streichelte zärtlich ihr Gesicht, nahm ihr Kinn
sanft in seine linke Hand. „Ich wollte es diesen Mal besser machen, eine zweite
Chance für uns. Ich wollte, dass du dieses Mal glücklich bist, wenn du
New Earth verlässt“, sagte er leise, „es tat mir so weh, wie
du gelitten hast“, führte ihre Lippen seinen entgegen und küsste sie
leidenschaftlich.

„Chakotay...“, hauchte Kathryn zwischen zwei Küssen mit
einem seltsamen Vibrieren in der Stimme, das Chakotay aufhorchen ließ. Er
blickte in ihre Augen, in denen der Himmel von New Earth gefangen war. Es lag
etwas Geheimnisvolles darin. „Ja, Kathryn?“ „Wir bekommen ein
Baby...Chakotay...Ich liebe dich...“
Ende
